Cape Town to Kaiserstuhl

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27.05.2004 - Die positive Seite meiner Ankunft in Aswan

Nachdem ich resigniert Kongoni beim Zoll lassen musste, sass ich mit dem nötigsten Gepäck im Taxi nach Aswan. Eigentlich wollte ich ja den Zug nehmen, der nur 1.50 EP kostet. Aber der Taxifahrer ist verhandlungsgeschickt und überredet mich mit den üblichen Tricks wie "der Bahnhof ist ja sooo weit vom Hotel weg". Ich war aber so geschafft vom Boot und der Fähre, dass ich keine Energie mehr habe und nur noch ins Hotel möchte. 25 EP sind da zu verkraften. Die Fahrt ging zunächst weg vom Wasser und 10km mitten durch die Wüste, dann kamen wir durch mehrstöckige Sozialviertel in den schönen Teil von Aswan. Dort befand ich mich plötzlich in einer neuen Welt, die bei mir in Vergessenheit geraten war. Da ist die Carnide eine breite Uferpromenade mit Bäumen entlang des Nils und 4-6 stöckigen Häusern und Hotels auf der anderen Seite. Alles relativ sauber und gepflegt. Doch was mir am skurilsten vorkam waren die weiss-häutigen Touristen, die sich in kurzen Hosen und mit Kappe in Pferdekutschen herumfahren lassen. Ich frage mich, ob ich soweit gekommen bin, um gerade das zu erleben?!? Aber auf der anderen Seite war ich froh über das saubere Hotel mit Klasse und Balkon zum Nil, über die Verfügbarkeit von Bier, Internet und Banken. Und einfach auch darüber, den härtesten Teil der Reise geschafft zu haben. Dafür war heute Belohnung angesagt. Zwar konnte ich auf dem schönen Markt noch keinen Ersatz für meine Jeep Zip Hose (inzwischen zum dritten mal gerissen) finden, aber ich gönne mir ein Abendessen und Bier im schwimmenden Restaurant Aswan Moon und geniesse mein erstes, zweites und drittes Bier, was mich fast aus den Socken wirft. Dabei geniesse ich den Sonnenuntergang über dem Nil und den Anblick der weissen Felucca Segel.
Im Hotel lief derweilen die Klimaanlage und sorgt für eine tolle Nacht nach all den vergangenen Strapazen.

 

26.05.2004 - Büro 3, der Zoll und eine nicht so tolle Kreuzfahrt

Endlich weg aus Halfa und weiter auf der Reise. Eigentlich würde es ja nicht stören mal abzuhängen, aber man wird dabei selbst so träge. Ich habe ja eigentlich kein Zeitlimit, aber ich höre die Uhr ticken. So langsam fahre ich wohl auf Reserve. Aber wenn ich erst mal in Ägypten bin, kann ich wieder Gas geben und vorwärts kommen. Dazu muss ich nur noch den Stempel in den Pass bekommen und aufs Schiff gelangen.
Büro 3 ist dann auch offen und geschäftig, was and den sicher 150 Leuten davor zu erkennen ist. Brav stelle ich mich in deutscher Manier hinten an der Schlange an. Dies würde ewig dauern und zum Glück lasse ich mich überreden ins Büro einzutreten, wie es wohl alle wichtigen Leute tun. Daraufhin geht es dann schnell, mein Pass wandert durch verschiedene Hände und schliesslich führt mich jemand zu Büro 1, wo ich die Emmigration Formblätter bekomme. Um 12:30 fahre ich dann vollbepackt zum Hafen und bin froh endlich Halfa hinter mir zu lassen. Meine guten Kontakte kommen mir am Hafen zu gute und so werde ich gleich durchgewunken. Zum Glück habe ich Termin mit Mr. Alright (heisst wirklich so), denn ansonsten wäre ich hier noch in die Hände von Kamal gefallen. Bevor Mr. Alright Kongoni durch den Zoll bringen kann, muss erst ich selbst durch jenen. Dort erwartet mich ein Paradebeispiel Ägyptischer Ineffizienz: 10 Beamten in einer Reihe, von denen nur zwei Pässe stempeln dürfen. Die anderen füllen jeweils einen anderen Teil der Zettel aus, die ich vom Immigration Office habe - dabei sitzen sie noch nicht mal in der richtigen Reihenfolge und unsereins rennt ständig hin und her. Dabei werde ich dann noch von einem Araber angefaucht, da ich offensichtlich den Sicherheitsabstand zu seiner Frau unterschritten habe! Nach einigem Schieben bekomme ich dann doch endlich meinen Exitstempel und kann Kongoni in die Zollhalle fahren. Mr. Alright macht noch Anstalt mein Gepäck zu kontrollieren, bin aber 5 Minuten später frei und kann weiter in Richtung Boot. Dort ist ein buntes Treiben von Auf- und Ausladen und da es dauern wird, bis Kongoni aufs Boot rollen darf beziehe ich derweilen meine "Luxuskabine". Zu allem Übel muss ich mir diese mit einem kettenrauchenden Araber teilen, der den einen Kubikmeter atembare Luft innerhalb weniger Augenblicke in eine Qualmhölle verwandelt hat.
Mir wird aber längst nicht langweilig, da ein Zollbeamte auf mich zu kommt und mir erklärt, dass die Motorradpapiere nicht vollständig seine. Also, 15 Minuten bevor wir ablegen, werde ich zurück zum Zoll gezerrt, um dort ein Formular für die Ägypter auszufüllen. Dass der Zollbeamte so aufmerksam war hat mir auf der anderen Seite sicherlich sehr viel Ärger erspart. Als wir nun zum Boot zurück kommen, kann ich schliesslich Kongoni in dessen Bauch fahren und kurz darauf geht es auch schon los.
Die meisten Gäste sind Geschäftsleute (Sudan - Ägypten), Flüchtlinge aus dem Südsudan und ein paar Studenten aus Khartoum auf Urlaub.
Da meine Kabine verraucht ist, verbringe ich die meiste Zeit auf Deck, wo ich ein paar nette Unterhaltungen führe und gegen 23:00 Uhr bekommen wir die beleuchteten Tempel von Abu Simbel zu sehen. Gegen später entscheide ich mich dann doch meine Kabine aufzusuchen, da einer meiner Decknachbarn grauenhaft schnarcht und ich so sicherlich nicht zum Schlafen komme. Erschöpft wie ich bin, schlafe ich dann durch, bis am Morgen das heitere Türenknallen los geht. Um etwa Mittagszeit erscheint die Dammauer im Blickfeld und obwohl wir eine Stunde früher als geplant ankommen, gestaltet sich das Entladen als äusserst langwierige Prozedur, die für mich damit endet, dass Kongoni beim Zoll einen Platz im Treppenhaus bekommt, wo ich sie erst Tage später wieder abholen kann. Dazwischen liegen eine Odysee von Behördengängen, bei deren Organisation sich die Katze immer wieder in den eigenen Schwanz beisst. So muss man erst ägyptische Schilder haben, bevor man weiterfahren kann. Diese bekommt man jedoch nur mit Versicherung. Die Versicherung hat aber erst am Sonntag wieder auf und heute ist Freitag etc. pp. Näheres will ich Euch ersparen! Insgesamt hat der ganze Spass, bis ich mein Motorrad wieder aus dem Zolltreppenhaus hatte so etwa 170€ gekostet - inklusive Bagshish. Aber die Odysee hatte wenigstens den erwarteten Ausgang - Kongoni ist wieder frei und hört nun laut Nummernschilder auf den Namen: Aswan 9!

 

25.05.2004 - Nach Ägypten ohne Kamal


Meine Mission für heute ist Tickets für die Fähre kaufen und alle Ausreiseformalitäten zu erledigen. Das ganze möglichst ohne die Hilfe von Kamal dem hilfsbereiten Halsabschneider. Da ich den ganzen Tag Zeit habe, sollte das funktionieren und so mache ich mich um 8:00 nach einem Kaffee im Hotel auf den Weg. Genau gegenüber auf der anderen Strassenseite ist das Büro, das die Tickets verkauft. Das öffnet aber erst um 8:30 und da die Tante eines Angestellten gestorben ist, gar erst um 9:00 Uhr. Das geduldige Warten lohnt sich, denn das Ticket für mich und Kongoni habe ich dann recht schnell und ich buche auch eine Kabine, wie mir Jürgen und Midath geraten haben. Der Preis für das Motorrad ist inzwischen allerdings eine Frechheit, denn 104US$ dafür, dass mein treuer Gefährte noch nicht einmal auf den Ponton muss, ist doch heftig. Aber wie so oft ist man in Afrika machtlos und handeln funktioniert hier auch nicht.
Nächste Station ist das Immigration Office, das keiner zu kennen scheint und das in Halfa, wo wöchentlich Personen über die Grenze gehen und kommen. Aber mit Hilfe von Midaths Bruder gelange ich auch dort hin und dann beginnt das übliche Spiel von "wir schicken dich von einem Büro zum nächsten, dort bezahlst du und wenn du dann entnervt bist, bekommst du vielleicht auch den nötigen Stempel". Was in diesem Fall bis zum nächsten Tag dauern soll, denn es gibt erst den Stempel, wenn das Schiff in Sicht!?! Die gleiche Story wiederholt sich beim Zoll und ich möchte das hier nicht ins Detail ausführen. Allerdings schaffe ich es dort, den nötigen Stempel ins Carnet zu bekommen.
Nach vier Stunden Rennerei ist damit sozusagen Feierabend für heute und ich gönne mir endlich ein Frühstück. Leckeres Omelette mit Brot. Den Rest des Tages habe ich dann vermutlich Sudanese gespielt, mit dem Unterschied, dass ich mal wieder zu den meisten Tees und Kaffees eingeladen wurde.


24.05.2004 - Die wunderschöne Gesteinswüste Nubiens

Namibia hat uns vor vier Jahren ja schon gezeigt wie vielseitig die Wüste sein kann. Aber was mir der Sudan hier auf seinen 500 nördlichsten km (Nubien) vorführt ist noch beeindruckender. Zunächst die tupfebene Wüste gelich nördlich von Khartoum, die nach Norden immer trockener wurde, zunächst noch Akazien überleben lies und dann in sandige Einöde überging, die im Sandsturm bedrohlich, bei blauem Himmel wunderschön war. Dann war das tiefsandige Stück nach Dongola, dessen Hauptaufgabe es zu sein schien, Dongola von der Aussenwelt abzuschneiden. Hoffnungsgeber und Wegweiser lediglich das grüne Band des Nils und kurz vor Dongola die Schotterwellen. Bis nach Abri folgte ein heimelig anmutendes Stück, das immer am Nil entlang durch einladenede und schöne Ortschaften führte. Danach wieder lebensfeindliche Wüste mit einem neuen Gesicht. Wie symbolisch sind die letzen Häuser am letzten Ort am Nil nicht bunt angestrichen und teilweise verfallen. Als wären die Menschen aus Furcht vor den Bergen dahinter geflohen. Aber genau dort hin führt die Piste, weg vom lebensspendenden Nass des Nils. Sofort verschwinden die Palmen und die Farbe grün aus dem Sichtfeld. Das Farbenspektrum bewegt sich nun in gelb und rot vom Sand, braun und grau der Felsen aber auch blau vom Himmel. Hier ist die Luft klar und rein und obwohl ich auf der Piste unterwegs bin, könnte ich ohne Brille fahren. Kein Insekt, kein Staubkorn. Apropos Insekt, mir wird gerade bewusst, dass ich auf der ganzen Strecke kein Lebewesen gesehen habe, nicht mal mumifizierte Esel oder Kamele. Dafür aber eine Menge Steine. Fahrspass und Naturvergnügen sind hier so gross, dass es akum auffällt wie einsam man ist. An der Landschaft kann ich mich kaum satt sehen und jeden km könnte ich anhalten, um ein Photo zu machen. Autoverkehr herrscht nur an den Tagen vor und nach der Fähre. Einen Tag davor überhole ich nur zwei LKW und einer kommt mir entgegen. Es ist weider erner von den alten, bunten und überladenen Nissan, der auch gleich auf einen Smalltalk anhält. Ausserdem bietet man mir Wasser und Essen an. Mir geht es allerdings bestens und an diesem Punkt sind es eh nur noch 20km bis Wadi Halfa. Dies ist jedoch eine Angabe aus dem Cape to Cairo, das GPS gibt Luftlinie noch 35km an. Hier erweist sich das GPS als schlauer und ich habe noch 50km zu fahren. Gut dass ich die 4,5l nachgetankt habe, denn ich komme tatsächlich auf Reserve. Dies zeigt mal wieder wie gefährlich Kilometerangaben sein können. Nachdem mich eine Abkürzung durch Tiefsand, der die letzte Möglichkeit zum Eingraben war, und Buschwerk führt, komme ich sozusagen durch die Hintertür nach Halfa rein. Ich verspühre ein ähnlich grosses Triumphgefühl wie in Moyale. Der Lake Nasser zeigt sich von der Wüste aus in einem geradezu unwirklichen Blau. Leider hat der See diese Farbe in Halfa nicht mehr.
Mein erster Anlaufpunkt in Halfa ist Midhats Office, wo ich seinen Bruder kennenlerne. Vom Office telefoniere ich erst mal mit Midath, damit der die e-mail an Heidi weigschicken kann. Sie sollte dann heute Abend wissen, dass ich gut angekommen bin. Danach schmeckt eine gekühlte Pepsi gut, obwohl ich mich schon auf das Bier in Ägypten freue und überhaupt kann ich mir so gar nicht mehr richtige Zivilisation vorstellen. Ob ich wohl noch einen Geldautomaten bedienen kann?
Die Dusche im recht neuen Deffentoad Hotel tut auch gut, obwohl ich mir das sonnengewärmte Wasser aus einem Eimer aufs Haupt schöpfen muss - Pumpe installieren gehört hier nicht zum Repertoir der Handwerkskunst?
Die zu erledigenden Formalitäten für Fähre und Ausreise nehme ich mir für morgen vor und spiele den Rest des Tages Sudanese, was bedeutet im Schatten zu sitzen, Smalltalk zu halten und süssen Tee oder Kaffee zu trinken.


23.05.2004 - 200 schöne Offroad km und ein Zeltplatz mit Familienanschluss

Als am Morgen die Jungs mit ihren kühen zurückkommen habe ich schon gepackt und bin auf dem Sprung zu meiner längsten Offroad Etappe im Sudan, 200km von Kerma nach Abri. Diese sind eine wahre Freude und die ersten 100 verfliegen wie im Nu. Wie schon gestern ist die Navigation einfach und führt durch viele schöne aber immer kleiner werdende Ortschaften mit "Kandinsky" Bemalung, in denen besonders am Vormittag viele Menschen im Schatten ihrer Häuser oder Palmen sitzen und das wenige Geschehen beobachten. Jeder scheint sich zu freuen, wenn ich etwas Abwechslung ins Dorfgeschehen bringe.
Im Gegensatz zu den meisten Nildörfern ist Delgo ein trister und staubiger Ort, in dem ich nur stoppe um ein Sudanesisches Frühstück zu nehmen, Fuhl (Bohnen), Feta, Eier, Fladenbrot und Tee. Lediglich die kühle Pepsi trinke ich aus dem Westen.
Die zweiten Hälfte nach Abri ist danach etwas nervig wegen verstärktem Waschbrett. Die Temperaturen sind aber auch gegen Mittag noch angenehm und Dank Gegenwind läuft das KTM Aggregat im otimalen Temperaturbereich und ich erreiche mein Ziel Abri schon am Vormittag. Abri ist Kerma sehr ähnlich, verfügt als Durchgangsort über Markt Werkstätten, Kneipen und ein Hotel. In letzteres hätte ich gerne eingecheckt um mal wieder ne Dusche zu nehmen und so lasse ich mich vom Hotelmanager auch auf die Sicherheitspolizei schleifen. Dort muss ich den Beamten zunächst erklären, dass man inzwischen keine Reisegenehmigung mehr braucht, nur um danach festzustellen dass auch das Hotel hier unzumutbar ist. Also ne weitere Nacht im Grünen. Das kann ich jedem Sudan Reisenden entlang des Nils sehr empfehlen. Man sollte lediglich in Dongola ein/zwei Nächte im Hotel einplanen um sich diesen netten Ort näher anzuschauent.
In Abri esse ich nur gemütlich und kaufe auf dem Schwarzmarkt 4,5 Gallonen Sprit zur Sicherheit. Einen schönen Platz zum Campen finde ich beim dritten Abstecher zum Ufer und habe mal richtig Zeit für das Tagebuch, da sich der technische Service aufs Kettenschmieren und Ölkontrolle beschränkt.
Aber auch hier bekomme ich wieder netten Besuch. Diesmal von drei Generationen Frauen, die auf der Suche nach Brennholz sind und in ihren Gärten wohl gerade Gemüse geholt haben. Im Gegensatz zu meinem Bild der muslimischen Frau sind die Damen nicht schüchtern und sprechen mich nach vielen Neugierigen Blicken an. Auch wenn das Kopftuch mal verrutscht ist kein Problem und gelegentlich nehmen die mitunter hübschen Frauen es auch ganz ab. Samira die ich auf ca. 40 Jahre schätze spricht wenige Worte Englisch und führt die Gruppe, der Ihre Mutter, Tante, Kinder und Schwestern angehören. Sie reichen mir frische Datteln zu essen und geben sich besorgt um meine Unterkunft. Dass das Zelt schlangendicht ist, glauben sie mir noch aber sie haben Angst dass im kräftigen Wind mir eine Palme auf den Kopf fällt oder mich Hunde angreifen. Daher solle ich doch dringed umziehen. Von dieser Idee kann ich sie einige Zeit dadurch ablenken, dass ich Photos von ihnen mache und ihnen diese zeige. Das macht ihnen so Spass, dass Samira sogar eine Palme besteigt und der 5-jährige Sohn mit Helm und Handschuhen die KTM besteigt.
Wenig später kommt auch Samiras Vater und Oberhaupt der Familie. Er befiehlt sogleich seinen Enkeltöchtern mir Tee zu kochen und giebt sich auch besorgt wegen meines Lagerplatzes. Und so willige ich ein, 150m aus dem Palmenhein zu einem kleinen Haus umzuziehen, wo Samiras Vater wohl arbeitet. Die gesamte Familie schnappt sich mein Hab und Gut und bis ich auch nur das Motorrad umgeparkt habe, steht mein Zelt und alles Gepäck am neuen Platz und der Tee ist fertig! Für das Kochen des Tees hat der Köchin übrigens ein einziger Palmwedel von vielleicht 30cm Länge genügt! Schukran!!! Als Geste meiner tiefen Dankbarkeit für diese Gastfreunschaft schenke ich dem alten Herrn meine auf Zanzibar gekaufte Ziphose. Ob sie dem hageren Mann passt und ob er sie unter der Jelabia tragen kann weiss ich nicht aber er freut sich.
Während wir so dasitzen findet sich nach und nach die gesammte Grossfamilie ein und sitzt in einem Halbkreis um mein Zelt. Dabei fällt mir auf, dass die Frauen umso zurückhaltender werden je mehr Männer anwesend sind. Einer der Männer läd mich zum Essen in seine vier Wände ein, kann aber verstehen, dass ich nach meinem Umzug gerne hier bleibe.
Als sich in der Dämmerung alle auf den Heimweg machen lege ich mich glücklich in mein Zelt und öffne genüsslich eine Dose Mais. Die Dose ist gerade auf, da kommt der nette Alte wieder und ich kann nicht glauben was ich sehe. Mit einer Taschenlampe bringt er mir frisches warmes Essen und bevor ich auch nur danke sagen kann ist er auch schon wieder weg. In zwei Töpfen finde ich das beste Fuhl des Sudan und viele hauchdünne, leckeren Pfannkuchen! Viel zu viel für heute Abend aber die Pfannkuchen werden mir auch zum Frühstück noch schmecken.
Mit vollem Magen und Temperaturen bei denen ich sogar den Schlafsack brauchen werde um mich zuzudecken werde ich so gut wie noch nie im sommerlichen Sudan schlafen.
Noch bevor mein Wecker klingelt kommt um 6 mein Gastgeber wieder. Er hat sicher schon gebetet und bringt mir nun heissen Tee, den wir gemeinsam trinken. Von meinen Pfannkuchen mit Marmelade möchte er nicht probieren.
Ich hoffe ich kann mich irgendwann in Deutschland für diese Gastfreundschaft revangieren!


22.05.2004 - Eine Fähfahrt die ist lustig...

Da ich noch zur Bank muss, die erst um 9 öffnet habe ich vor meiner Abfahrt aus Kerma noch Zeit für ein schönes Frühstück. Ich lasse mir leckeren Guava Saft schmecken und esse dazu Mini-Doughnuts.
Den Weg aus Dongola finde ich dank einer guten Beschreibung sofort und fahre auf einer abwechslungsreichen Piste nach Norden, wo ich in Argo oder Kerma über den Nil wechseln muss. Nach einem Ruhetag macht das Fahren gleich wieder doppelt Spass und ich geniesse es mit Kongoni um die vielen Schlaglöcher zu schwingen, gelegentlich Fech-Fech Staubfontainen in die Luft zu schleudern, hier und da durch vereinzelte Tiefsandfelder zu pflügen
oder über Bewässerungsrohre zu springen. Das Ganze natürlich mit angemessenem Tempo um das geplagte Material zu schonen und nicht zu stürzen. Lediglich auf den ersten km habe ich mit Rollkiesel zu kämpfen. Aber hier hilft es wieder sich zu überwinden und am Gas zu bleiben.
Die Navigation ist seit Dongola relativ einfach, da man nun einer Piste folgen muss, die sich lediglich in den Dörfern auffächert. Da die Piste hier durch die Dörfer verläuft, ist man auch immer recht nahe am Nil und und muss nie weit weg von den die Seele beruhigenden Palmen und Gärten fahren. Einen wunderbarer Anblick bieten die bunt bemahlten Haustüren, die im Kontrast zum beige und grau-braun der Lehmwände und des Bodens stehen. Ich könnte vor jeder Tür anhalten und ein Photo machen. Die Menschen dehnen ich begegne sind freundlich aber überrascht. So viele Motorräder kommen hier wohl noch nicht durch.
Als ich laut GPS etwa in Argo befinde orientiere ich mich im Wirrwar der Wege langsam in Richtung Nil um zur Fähre zu gelangen. Die Wege werden dabei immer enger, während ich mich zwischen den Feldern dem Nass nähere. Den Nil findet man so immer aber statt des Fähranlegers stehe ich letztlich vor der Hütte zweier Männer die hier Holz fällen und Ziegeln brennen. Als diese den Mann vom Mond sehen, bieten sie mir sofort Chai (Tee) an, den ich natürlich nicht ablehne. Wärend wir so dasitzen kann ich Sie mit Digitalbildern erfreuen und erfahre in Zeichensprache dass ich an dem Ponton (Fähre) von Argo wohl schon vorbei bin. Aber die Fähre in Kerma sei auch in Betrieb.
Und so fahre ich nach der netten Pause weiter in Richtung des GPS Punktes von Kerma. Zur Fähre, die ohne Koordinaten oder Füher nicht zu finden ist, führt mich später ein Anwohner, der mir gleich mit seinem Pickup vorausfährt. Am Nil angekommen traue ich meinen Augen nicht als man mir die Fähre zeigt. Vor mir liegt am Ende einer etwa 4 m hohen steilen Böschung ein kleines Boot mit Aussenboarder, etwa so breit wie ein Auto, auf der ganzen Länge Holzbretter zum Sitzen. Das einzige wo ein Motorrad draufpassen könnte ist eine 1,30m x 1,30m Metallplatte am Bug. Das ganze sei kein Scherz und alles kein Problem ("mamuschkila"). Voller Zweifel wage ich dann die Abfahrt auf der steilen Böschung und schaffe es tatsächlich meine Fuhre auf dem wackeligen Bug anzuhalten, wobei Vorder- und Hinterrad ein Stück überhängen. Das gefällt dem Capitain aber noch nicht und ein Helfer legt zwei Planken längs über die Sitzbänke, worauf ich das Motorrad stellen soll. Zu dritt schaffen wir das auch und dann geht es auch schon los über den Nil, der bei dem heutigen Wind doch recht Seegang hat. Von links balanciere ich Kongoni und von rechts der schmächtige Bootsjunge. In Gedanken versuche ich mir schon auszumahlen wie ich Kongoni hier aus dem Nil wieder bergen könnte, als es plötzlich einen Ruck macht und wir noch einige Meter vom anderen Ufer auf einer Sandbank aufsitzen. Mamuschkila, dann müssen wir wohl hier wieder abladen. Motorrad also wieder auf den wackeligen Buk, die Planken als Rampe verlegen und dann rückwärts ins Wasser. Aber hier im seichten Wasser fühle ich mich schon wieder wohler, kann ich mich doch auf Kongoni setzen und fahren. Das dabei der Captain etwas nass wird stört mich nicht weiter. Zu sehr muss ich mich dazu auf das Ufer-Hillclimbing konzentrieren. Mit den Worten eines Enduro-Instruktors im Kopf ("Da fahre ich jetzt hoch!") klappt die steile und rutschige Auffahrt aber ganz gut, und zufrieden komme ich nach einem Sprung über die Kante oben an. Wo ich aber zu meiner Überraschung noch nicht bin ist Kerma. Stattdessen befinde ich mich jetzt auf einer Insel mitten im Nil! Das merke ich allerdings erst als ich dem GPS folgend nach 1 km durch Gärten und Felder wieder an einem Ufer stehe. Zu meiner Erleichterung legt hier aber eine gewöhnliche Afrikanische Fähre an, überladen und reparaturbedürftig. Aber der dicke Maschinist scheint stolz und glücklich zu sein und verströmt eine innere Ruhe. So finde ich mich wenig später zwischen Eseln und allerlei Ladung auf der zweiten Nilfähre wieder, die dann endlich in Kerma anlegt. Zur Überfahrt werde ich sogar von einem netten Herrn mit Turban eingeladen.
Kerma ist deutlich kleiner als Dongola und versprüht wenig Charme, das einzige Hotel in dem ich eigentlich bleiben wollte ist ekelhaft und die Tankstelle ist trocken. So trinke ich kurz ne Pepsi, esse ein paar Bohnen und Reis, kaufe ein paar Liter Wasser und Brot unf fahre weiter nach Norden. Bereits nach 10 km habe ich ihn dann auch schon gefunden den idealen Campplatz, im Schatten von Dattelpalmen zwischen kleinen Dünen und dem Nil. Werkzeuge zeigen, dass hier sonst wohl Bootsbauer arbeiten und eines ihrer schönen Boote liegt wie als Einladung zum Sonnenbad am Ufer. Hier kann ich mich ein wenig ausruhen und dabei meine Stiefel trocknen. Später bekomme ich Besuch von Jungs, die ihre Kühe hier tränken und waschen. Dies ist ein lustiges Schauspiel, da die Kühe nicht gerne tauchen. Mir zeigt es gleichzeitig, dass ich hier wohl ohne Angst vor Krokodilen baden kann. Ganz beruhigt bin ich aber nie.
Als die Jungs wieder weg sind habe ich noch genügend Zeit mir mit Nilwasser nen schönen Tee zu kochen und Brot und Mais zu essen. Kongoni bekommt hier mal wieder einen kleinen Check. Der Luftfilter ist noch sauber und der Rahmen ist zum Glück noch heil und ich hoffe er hält bis Aswan. Leider ist der Werkzeughalter schon wieder gebrochen, ebenso wie die eine Schraube des Kofferhalters. Letztere versuche ich mit Spanngurten zu entlasten. Die GPS Halterung ist ebenfalls lose, da eine Dämpferschraube gebrochen ist. Hier helfen ein paar Gummiringe zur provisorischen Befestigung. Ersatzschrauben hat man auf so einer Fahrt nie genug dabei! Aber die wesentlichen Teile von Kongoni sind noch gut in Schuss und ich bin zuversichtlich mein Ziel zu erreichen. Dort werde ich dann sofort die Ventile einstellen lassen, die das sicher mal nötig hätten. Nach diesem Service und einem weiteren schönen Tag schlafe ich bei angenehm kühlen Temperaturen wie ein Stein während über mir die Palmblätter im Mondlicht wehen.


21.05.2004 - Abhängen in Dongola

Anfangs hat mich Dongola alles andere als willkommen geheisen. Zunächst konnte ich nämlich kein Hotel finden, da entweder total schäbig, voll oder beides. Letztendlich hatte man aber noch ein Bett für mich im Ola Hotel, das sicher auch nicht mit einem Stern rechnet. Bevor ich einchecken und duschen konnte musste ich allerdings zuerst die Fremdenpolizei finden, was eine mittlere Odysee darstellt, um mir dort das OK für meinen Aufenthalt zu holen. Ganz frei kann man sich im Sudan doch noch nicht bewegen. Als Entschädigung wurde ich im Hotel allerdings gleich von dem netten Strassenbauingeneur Mohammed (viel zu tun!) zum Essen eingeladen, der sogar etwas Deutsch sprach. Kongoni durfte im gefliesten Eingangsbereich einziehen und musste nicht in Sonne und Staub braten.
So gestärkt hat mir Dongola dann schon viel besser gefallen und da ich eh viel zu früh hier war, bin ich gleich drei Nächte geblieben. Wadi Halfa wäre sicher nicht so schön zum Warten auf die Fähre. Dies hat mir Gelegenheit gegeben den netten kleinen Ort in der Wüste ausgiebig kennenzulernen und mit vielen netten Sudanesen zu reden.
Hauptfortbewegungsmittel in Dongola sind die farbenprächtig geschmückten Allradtaxis und lustigerweise motorisierte Rickschas. Die wirken hier mitten in der Wüste wie von einem anderen Stern und sicher könnte keines der Tucktucks Dongola aus eigener Kraft erreichen. Kamele werden auch noch genutzt, sind im Ort aber schon ein Auslaufmodel. Ebenso bunt wie die Fortbewegungsmittel ist der Markt oder Souq wie es in der arabischen welt heist. Wie überall vermisst man Zelte und Musik aus 1001 Nacht was wohl der Vergangenheit angehört. Dennoch ist der Markt sehr schön, bei noch übersichtlicher Grösse erhält man alles von Haushaltsartikeln über Werkzeug zu frischem Obst und Gemüse sowie Konserven, Waschmittel, und sogar Radios und TVs. Satelittenschüsseln holen die Menschen hier zwar noch aus Khartoum, was man aber ansonsten hier nicht findet gibt es nicht im Sudan.
Der gesamte Markt ist erfüllt von einer sehr freunschaftlichen Stimmung und die Menschen haben sich lieber mit mir unterhalten als mir etwas zu verkaufen. Ein Händler war total glücklich als er mir eine Melone schenken konnte ich dafür ein Photo von uns beiden gemacht habe. Überhaupt wollte jeder photographiert werden. Dazu ist mir einer sogar durch den ganzen Markt mit seinem Eselskarren nachgefahren. Ein netter alter Herr hat mir netter Weise eine Führung über den Markt gegeben. Dabei konnte ich zum Beispiel sehen wie Männer und Kinder in reiner Handarbeit aus Schrott Pflugscharen und Sicheln schmieden oder wie ein von einem Stromschlag niedergestreckter Mann durch Schläge mit einer Holzlatte wiederbelebt wurde (kann mir einer diese Technik erklären?).
Überall auf dem Markt aber vorallem entlang der Hauptstrasse findet man Strassenrestaurants, in denen man fast zu jeder Tages- und Nachtzeit essen kann. Es gibt leckeres gegrilltes Fleisch frittierten Fisch, vegetarische Felaffel und sogar eine Konditorei. Das Geback war allerdings fast ungeniessbar süss. Überhaupt halte ich die Sudanesen für die grössten Zuckerkonsumenten der Welt. Weder Tee noch Kaffee oder Fruchtsaft (frisch und lecker) trinkt man hier mit weniger als drei Löffel Zucker. Da hier die einzige körperliche Beschäftigung das Hinknieen zum Gebet ist, was aber immerhin 5x täglich getan wird, ist der Anteil übergewichtiger Männer rekordverdächtig. Eine andere als die "Zuckertheorie" hat mein lokaler Freund Mohammed, der das weite Gewand Yelabija für Schuld hält, da dies so viel Platz für Bauch bietet!
Die Gebete in Dongola sind auch etwas Spezielles. Während ich nämlich gemütlich in einem Strassenrestaurant sitze, kann ich beobachten wie gegenüber die Auslage eines Geschäfts geräumt und stattdessen am Strassenrand ein grosser Teppich ausgerollt wird. Sogleich finden sich viele Gläubige ein und knien nach dem Waschen von Händen und Füssen in Reihen nieder zum Gebet. Während der 15 Minuten des Gebets ruht dann in ganz Dongola jeglicher Verkauf. Dieses Geschehen wiederholt sich 3x täglich, während wohl jeder das erste und letzte Gebet zuhause absolviert.
Einer der grosse Probleme hat zwischen diesen alten Glaubensstrukturen und dem westlichen Einfluss ist Mohammed, was mir während langer Gespräche auffällt. Das Dilemma startet mit dem Sattelitenfernsehen, das dem Menschen hier völlig unvorbereitet eine andere Welt zeigt. Eine Welt in der der Konsum regiert, Frauen unverhüllt sind und über Sex nicht nur gesprochen wird sondern dieser sogar gezeigt wird. Die jungen Männer sind hin- und hergerissen zwischen Neid und Abstossung. So möchte Mohammed eine westliche Frau, weil diese unbeschnitten sind und dadurch leidenschaftlich sein können. Auf der anderen Seite soll seine Frau die klassische Rolle spielen. Eine ganz seltsame Idee haben die Männer hier in Pornos aufgeschnappt, die heimlich geschaut werden - sie glauben dass im Westen primär Analverkehr praktiziert wird! Hier tut Aufklärung grosse Not! Eigentlich wäre es das Beste Männer wie Mohammed bekämen die Gelegenheit für einige Zeit in Ihre westlichen Traumländer zu reisen. Aber dies ist wegen der unüberbrückbaren Visaformalitäten fast unmöglich. Bis diese Restriktionen fallen müssen Touristen wie ich eine möglichst positive Aufklärung betreiben. Zur selben Zeit wie ich war noch ein zweiter Tourist in Dongola. Ian ist eigentlich Engländer, giebt sich zur Sicherheit aber als Ire aus und ist hier um alte Freunde zu besuchen. Er war vor 10 Jahren schon in Dongola um Lehrer an einer Schule zu werden. Damals geriet er aber in eine Studentenrevolte, die von der Regierung niedergeschlagen wurde unde konnte so nie unterrichten. Freunde hat er dennoch gewonnen. Mit denen ist er von Dongola per Jeep zu einer Oasensiedlung aufgebrochen, was trotz Sandsturm wohl ein tolles Erlebnis war. Das wäre sicher auch ein schöner Ausflug für Durchreisende wie mich.


19.05.2004 - Tiefsand und GPS Spezialetappe nach Dongola

Nach all den Informationen, die ich erhalten habe, ist dies der fahrerisch spannendste Tag der gesamten Reise. 160 km trennen mich von Dongola, das wohl der netteste und grösste Nilort im Norden des Sudan ist. 160 km übersät mit Tiefsandfeldern und ohne klar markierte Piste. Hier ist entgültig die Zeit des GPS gekommen und nachdem ich Dongola als Zielort eingegeben habe und den Luftdruck der Reifen fürdas Surfen im Sand reduziert habe, geht es los und ich winke Shaibs Familie zum Abschied zu. Sie denken sicher "Die spinnen die Germanen!"
Der schwerste Teil der Etappe ist der Anfang. Hier muss ich zunächst aus dem Wirrwar der Gassen aus dem Ort hinaus finden und fahre im rechten Winkel vom Nil weg um ca. 5-10 km ausserhalb in der Wüste auf einen Track zu stossen, der hoffentlich in Richtung Dongola führt. Auf dem Weg zur Piste führen die Spuren, denen ich folge immer wieder in die falsche Richtung und ich muss sie verlassen. Hierbei verdanke ich es dann häufig nur der Power von Kongoni, dass ich mich nicht hoffnungslos eingrabe. Abseits von Spuren ist der Sand sehr tief und ein Boot scheint das bessere Verkehrsmittel zu sein. Ich bin jedesmahl froh wenn ich wieder auf eine Spur stosse auch wenn manche so tief sind, dass beim Kreuzen sich das Vorderrad eingräbt und ich die KTM ablegen muss.
Nach einer halben Stunde des Grabens stosse ich endlich auf ein Spurbündel, das in der vom GPS gezeigten Richtung führt. Von der Überlandstromleitung, die hier auch irgendwo in gleicher Richtung führen soll, ist nichts zu sehen. Aber das wundert nicht, ist die Piste hier doch sicher 20 km (!) breit. Das heisst, dass sich auf dieser Breite verteilt Spuren kreuz und quer zwischen Abu Dom und Dongola erstrecken. Vorsicht ist an den Rändern geboten, da von dort immer wieder Spuren zu Siedlungen am Nil führen. Ich versuche mich daher nie ganz am Rande zu halten und werde langsam warm. Einige km versuche ich meine fahrtechnische Linie zu finden, teste verschiedene Spuren oder fahre auch mal daneben spiele mit verschiedenen Geschwindigkeiten. Als optimal stellt es sich heraus eine möglichst frische LKW Spur zu wählen, in der der Sand etwas komprimmiert ist und die Geschwindigkeit immer so zwischen 60 und 80 km/h zu halten. Bei niedrigen Geschwindigkeiten, wie sie mir von anderen Motorradfahrern empfohlen wurden, quält man den Motor, ist immer nahe am Eingraben und verliert Fahrstabilität. Es wundert mich nicht, das zwischen 30 und 50 km/h die Strecke einen vollen Tag dauert und viele Stürze kostet.
Nachdem ich warm bin, macht mir diese Etappe mächtig Spass. Entspannt folge ich dem Netz der Spuren und immer wenn vor mir wieder ein Tiefsandfeld auftaucht in dem die LKW Spuren chaotisch werden, wähle ich mir blitzschnell eine aus, schalte einen Gang runter und lass die KTM mit Ihrem legendären Geradeauslauf hindurchpflügen ohne viel Speed zu verlieren. Dabei heisst es locker bleiben und das Vorderrad seine Spur suchen zu lassen. Ständig kontrolliere ich bei diesem Surfvergnügen durch Blick auf das GPS ob die Richtung noch stimmt und wechsle falls nötig in eine andere Spur. Mit dieser Technik gelingt es mir zu meiner eigenen Überraschung die gesamte Strecke ohne steckenzubleiben und ohne Sturz zu bewältigen.
Nach etwas der Hälfte der Strecke traue ich meinen Augen nicht, als plötzlich eine Teerstrasse vor mir auftaucht. Diese erstreckt sich allerdings nur auf etwa 20 km und wenn ich neben die Strecke blicke, verstehe ich warum. Hier erstrecken sich die Tiefsandfelder über km und viele alte Furchen die aussehen wie ein Wellenmeer, erzählen Geschichten vom Kampf gegen den Sand. Nach dem Ende des Teerabschnitts muss ich nur noch wenige Tiefsandfelder bewältigen, bevor das Sandmeer dann abrupt in eine hügelige Schotterlandschaft übergeht. Bei einem Blick zurück über den hellgelben Sandkasten mischen sich in mir Erleichterung und Enttäuschung. Da möchte ich gerne nochmal durch! Aber die rotbraunen Schotterhügel haben auch Ihren Reiz und wie ich so über die sanften Wellen gleite fühle ich mich ans Snowboarden erinnert. Sandkontakt hat man hier nur noch beim Queren kleiner Wadis. 20 km vor Dongola hat auch dieser Spass ein Ende und das letzte Stück Teer des Sudan führt einen in die farbenfrohen Strassen von Dongola die bestimmt sind durch den grossen Souq
Für die Strecke vor der ich zunächst Angst hatte, habe ich letztlich nur 3 Stunden gebraucht und bin sturzfrei in Dongola angekommen. Zum Vergleich brauchen lokale Autos 4 Stunden und manch ein Reisender benöt auch schon mal 6 Stunden oder den ganzen Tag. Das würde ich gerne mit einem kalten Bier feiern, wäre ich nicht noch immer im streng muslimischen Sudan.


19.05.2004 - Ein Tag unter Bauern am Ufer des Nils

Mit letzlich doch kochendem Motor habe ich den Weg durch das Strassenlabyrint von Debba ans Nilufer geschafft. Hier finden mich sogleich ein paar junge Männer und laden mich zu sich in Ihre kleine Siedlung ein. Diese besteht aus ca. 4 kleinen Strohhütten, in denen die Bauern in der Zeit leben in der es auf den Feldern am Nil Arbeit gibt. Das Land hier ist dank Bewässerung mit Dieselpumpen sehr fruchtbar und es werden Zwiebeln, Gurken, Weizen, Melonen, Sonnenblumen, Obst und viele Datteln angebaut. Auch wenn die Behausungen ärmlich aussehen haben manche Bauern aber sogar Traktoren. Diese können sie mit Erlösen aus Kamel- und Viehzucht kaufen.
Dies alles erfahre ich von Shaib der als Lehrer für Englisch und Geschichte mir das arabische Alphabet erklärt und zwischen mir und seiner Familie übersetzt, die mich liebevoll aufnimmt. Für die 16 Stunden meines Aufenthaltes werde ich einer von Ihnen. Sie bewirten mich mit knusprigem Fladenbrot mit würziger Oel-Gemüse Tunke (lecker!), kühlem Nilwasser (!) lassen mich an Ihrem Leben teil haben. Wir erzählen, ruhen gemeinsam im Schatten, laufen über die Felder und währen alle beten sitze ich einfach nur da und schaue zu.
Am Abend stellen alle die Betten ins freie und ich freue mich auf eine Nacht unter Sternen. Shaib empfielt mir allerdings wegen der Mosquitos nicht im Freien zu schlafen. Uns so schlage ich unter ungläubigen Augen zwischen den Hütten meine Zelt auf. Damit bin ich vermutlich noch eine Weile im Gespräch. Immer wieder fragen Nachbarn, die mit Ihren Kamelen vorbeikommen mich Fragen wie wo die Tür und Fenster zu meinem lustigen Haus sind oder ob es auch schlangensicher ist.
Bevor ich aber in meiner Plastikhütte schlafen kann gibt es erst nochmals etwas zu essen. Schon im Dunkeln kocht Shaibs Schwester nochmals leckeres Fladenbrot, das wir nach dem Waschen der Hände wieder mit den (rechten) Händen aus einem Korb am Boden essen.
In einem Wanne daneben ertaste ich ein leckeres zweites Gericht, das ich nicht einordnen kann. Es ist warm, weich und feucht und schmeckt etwas wie Pfannkuchen die in süsser Milch aufgeweicht sind. Aber wozu muss man immer wissen, was man isst? Es ist lecker und das zaehlt!
Satt, glücklich und müde verkrieche ich mich danach in meinem Zelt, während meine Bauernfamilie sich im Freien auf den geflochtenen Betten ausstreckt. Zelt und Isomatte haben jedoch den Nachteil, dass kein Lüftchen den Körper kühlt und nach Minuten liege ich im eigenen Saft. Um ein Auge zumachen zu können, trage ich ordentlich Repellent auf und beschliesse meine Mobilsauna gegen eines der Betten einzutauschen. Ohne auch nur eine Schnake zu hören schlafe ich mit den Sternen im Blick ein. Nach dem Aufwachen wundere ich mich jedoch, weshalb mich der ganze Körper juckt und wo all die Stiche herkommen, von denen ich alleine am linken Fuss 44 zähle! Ich werde wohl nich erfahren ob hier Flöhe, Sandflöhe oder Spinnen eine Party gefeiert haben. Der Tag mit Shaibs Familie war das anschliessende Jucken jedoch wert und ich hoffe mich jemals erkenntlich zeigen zu können.


18.05.2004 - Sandsturm auf dem Weg von Nil zu Nil

Es ist schwer Khartoum mit all seinen Annehmlichkeiten zu verlassen. Besonders mit dem Wissen, dass eine unbequeme und schwere Woche bevorsteht. Trotz all den Informationen, die ich gesammelt habe bleibt noch immer die Unsicherheit und viele Fragen. Wie funktioniert die Navigation, schaffe ich Tiefsand, finde ich Unterkunft und Nahrung..... Aber alle Informationen sind nutzlos, wenn die Vorstellungskraft einfach versagt. Und Antworten bekommt man schliesslich nur durch eigene Erfahrung.
Mit etwas mulmigem Gefühl starte ich um 6:45 Uhr bei noch angenehmer Temperatur. Dank einer guten Beschreibung ohne die es fast unmöglich ist, finde ich schnell die Great North Road am Rande Khartoums. Diese führt auf Ihrem guten Teerbelag schnell weg vom Nil in die Wüste. Schon nach einer Stunde kann ich mir nichtmehr vorstellen, dass mein Zelt noch am Morgen in einem Garten gestanden hat.
Die Wüste hier ist noch ein gutes Stück extremer als auf dem Weg nach Meroe, schliesslich ist der Nil weit weg und das einzige Nass auf der 400 km Strecke nach Abu Dom kommt aus zwei kleinen Wasserquellen auf dem Weg. So ist auch nur in deren Nähe Leben zu entdecken. Ueberall sonst ist vertrocknetes Gras oder einzelne Akazien einziges Anzeichen von besseren Zeiten. Jetzt aber ist es trocken und bei 50°C verhindert nur der starke Nordostwind das Kochen der KTM. Ein Motorschaden hier könnte fatal sein und wäre nicht das schwarze Asphaltband, könnte man es mit der Angst zu tun bekommen.

Die meisten Reisenden beschreiben dieses Stück als langweilig. Ich bin jedoch hinundhergerissen von der Schönheit der flachen Dünen unter dem blauen Himmel und der Demonstration der Naturgewalt wenn sich der Himmel scheinbar grundlos verdunkelt und die Stasse im Wind unter Staub und Sand nur noch wage zu erkennen ist. An manchen Stellen verliert die Strasse gar den Kampf gegen die Wüste und verschwindet unter kleinen Wanderdünen. Hier heisst es Lenker festhalten und Gas geben.
Auf halbem Weg gibt ein Truckstop (viele Bretterverschläge) in der Wüste Gelegenheit zur Pause, Stäkung bei Felaffel und Erfrischung mit kühler Pepsie. Hier zu bleiben ist ein schrecklicher Gedanke und mir wird bewusst wie wichtig mir Wasser ist. So geht es nach 30 Minuten auch schon weiter und der Abstand zum Nil wird wieder geringer. 20km vor dem Ende der Teerstrasse wird es jedoch nochmals richtig unheimlich und ich erlebe einen richtigen Sandsturm mit Sichtweiten unter 100m. Anhalten hilft nicht und so fahre ich weiter GPS und der Strasse folgend. Dabei übersehe ich beinahe ein kleines Restaurant am Strassenrand, das mir für 30 Minuten als Wind und Sandschutz dient. Wie ich da so sitze kommen mir Bilder vom Winter in den Alpen vor Augen, wenn man sich in den Winschatten einer Hütte kauert und im Schneesturm und Nebel die nahe Gondel mal sieht und dann wieder nicht. Was hier immer mal wieder auftaucht ist jedoch keine Gondel sondern die Tankstelle auf der anderen Strassenseite und eine Mosche!
Als der Sandsturm nicht nachlässt beschliesse ich die Flucht nach vorne. Ich will zum Nil, wo die Palmen hoffentlich den Sandsturm stoppen. Auf den 20 km bis ans Ufer muss ich jedoch auf einen guten Freund verzichten, das schwarze Asphaltband, das in der Nähe des Restaurants in Form einer Kreuzung endet. Von nun an heisst es voll auf das GPS zu vertrauen. Zwar finden sich immer Spuren im Sand, denen man folgen kann, doch wo führen sie hin? Einfach gemacht wird die Navigation auch nicht durch Tiefsandsfelder und Wellblechabschnitte, die man möglichst umfährt. Besser wird es als der Sturm endlich nachlässt, ich wieder schneller fahren kann und das Grün des Nilufers erkenntlich wird. Nun versuche ich nur noch an den längsten Fluss Afrikas zu gelangen um mich dort von dem Tag zu erholen.


17.05.2004 - Abschied von Khartoum und vielen neuen Freunden

Da die Fähre nach Aswan nur einmal pro Woche fährt und ich sicher keine Woche durch die Wüste brauchen werde, habe ich noch etwas Zeit um Khartoum bzw. ein paar der Bewohner und Reisende besser kennenzulernen. In dieser Ecke der Welt scheint es nur nette Menschen zu geben. Ein paar von Ihnen möchte ich hier nur kurz vorstellen:
Kamal Omar: Ehemaliger Präsident und gute Seele des Blue Nile Sailing Clubs. Seine Hilfsbereitschaft und Interesse an Reisenden ist schon legendär. Als Kommunikationsfan schickt er regelmässig Photos von Reisenden per email um die Welt. Er kennt sicher 90% aller Sudanreisenden.
Ali Baba: (Name geändert): Wie Kamal ein weiterer herzensguter Araber. Von Beruf mehrfacher Geschäftsmann mit finanzieller Erblast geniesst er sein Leben im Wohlstand. Dazu gehören Audi TT und Rennboot ebenso wie die 6te Ehefrau. Zwar spricht er kein Englisch, aber für Spässe ist er immer zu haben. Optisch könnte er als Mafiosi bei Miami Vice entlaufen sein, aber er ist dennoch hochanständig. Lediglich unvernünftige Gesetze wie das Alkoholverbot werden gerne ignoriert. Und so darf man sich bei einer nächtlichen Fahrt auf seinem Speedboot auf kühles Heinecken vom Schwarzmarkt freuen, die er für 3-5 US$ pro Dose kauft. Geschmuggelt wird das Zeug aus Ethiopien.
Achmed Ramsa: Ein weiterer Geschäftsmann und Mitglied der Sudanesischen High Society. Er verdient sein Geld mit der Produktion und Export von Hibiskustee und Sesamoel sowie dem Import von gebrauchten Deutschen Luxuskarossen. Zur Führung durch seine Fabrik holt er uns dann auch standesgemäss im 7er BMW ab. Das Manuel, Denise und ich unsere Zelte seinem schicken Haus vorziehen, kann er kaum verstehen.
Midhat Mahir: Stolzer Nubier und Inhaber eines Reisebüros. Er kennt den Norden des Sudan wie kein anderer, Wadi Halfa ist seine Heimat. Seine gerne gegebenen Infos sind Gold wert. Man sollte nicht überrascht sein, wenn man auf seinem Schreibtisch ein lebendes Krokodil sieht!
Matchek:
Mit der Mission eine neue Fluglinie aufzubauen ist er nach Khartoum gekommen. Da dies sehr langsam geht verbringt der Schwerenöter jedoch die meiste Zeit mit Hoovercraftbasteln und privaten Parties. Dort trinkt man auch schnell mal zuviel Gin Tonic. Sein Traum ist mit dem Mini Hoovercraft den Nil hinab ins Mittelmeer zu fahren. Viel Glück!
Denise und Manuel: Auf Ihren beiden BMWs F650 auf dem Weg von Aegypten in den Jemen und weiter in die Russischen Republiken. Klingt verrückt aber nach einer Fahrt nach Indien per VW Golf ist Ihnen alles zuzutrauen. Schade dass wir in entgegengesetzte Richtungen fahren.
Adam Barnard: BWL Student und Model aus Kapstadt unterwegs per Rucksack von Cairo nach Cape Town. Sein Grossvater der erste Herztranspantateur wäre sicher stolz auf Ihn!
Leider keine Zeit hatte ich für ein Deutsches Paar auf Dominators, auf der Südtour oder für ein verrücktes Amerikanisches Paar auf zwei überladenen KTM950 Adventure ohne Offroad Erfahrung. Letztere haben allerdings das Geld um sich von den Strapazen in Hiltons und Sheratons zu erholen.

Diese Liste liese sich wohl endlos weiterführen, aber ich muss nun in die Wüste.


12.05.2004 - Pyramiden von Meroe

Über die Geschichte der Pyramiden von Meroe kann ich leider nichts sagen, da ich weder einen Reiseführer habe, noch vor Ort Führer waren, die ich dazu hätte befragen können. Aber gerade das hat einen besonderen Reiz.

Aber der Reihe nach. Da ich das Zelt abbauen musste und es nach Meroe gar nur 230km Teer waren, bin ich erst wieder um 8 losgekommen. Dann sind die Temperaturen gerade noch ok, aber der Berufsverkehr ist am Brummen. In Khartoum werden dann viele Brücken zu Einbahnstrassen. Mit dem Motorrad lässt einen die Polizei dann aber über die Fußgängerspur fahren - das geht auch nur in Afrika! Der Weg aus Khartoum raus ist nicht leicht zu finden, da Schilder nicht existieren oder in Arabisch sind. Ich hatte zum Glück eine Beschreibung von Mithat und kam schnell raus aus der Stadt, die sich sicher 20 km zieht. An den Grenzen der Stadt ist dann schon der erste von sicher 4 Straßenblocks. Hier musste man früher Reiseerlaubnis vorweisen. Das ist nun aber abgeschafft und man muss den Beamten nur sagen wo man hin will und wird durchgewunken. An einem späteren Block wollten die Polizisten sogar, dass ich mit Ihnen esse!
Während ich so nach Norden fahre, wird die Vegetation immer spärlicher und während es im Khartoum am Nil noch richtig grün ist, hat es bald nur noch Dornbüsche und später nur noch Sand. Die Strecke ist teilweise so trostlos wie der Weg nach Swakopmund in Namibia. Mit dem Unterschied dass mein Weg hier 5 mal so weit ist und es mit jedem Kilometer wärmer wird. Die KTM läuft hier ständig 20 Grad wärmer als in Äthiopien und ich freue mich über Gegenwind, da dann die Kühlung besser ist. Die wundert mich allerdings, da der Gegenwind heiß ist wie ein 1000 Watt Fön. Er ist so warm, dass er auf der bloßen Haut schon schmerzt. Die Stimmung ist schon etwas unheimlich und wäre da nicht dieses Teerband und eine Art Truckstop alle 20-30 km könnte es einem mulmig werden. Ich habe das schon erwatet und bin mit 6 Litern Wasser gestartet anstatt der üblichen 2 Liter.
In Shendi 40km vor den Pyramiden mache ich Pause um etwas zu essen und mit der Nilbrise die heißen Mittagsstunden abzuwarten. Hier treffe ich den Ägypter Faitz, dessen Familie der halbe Ort gehört. Er und seine Neffen, die alle Ladebesitzer sind, laden mich dann auch zum Essen ein und versorgen mich über Stunden mit Wasser, Pepsi und Tee. Diese Gastfreundschaft abzulehnen ist unmöglich. Sie versuchen mich sogar zu überreden über Nacht zu bleiben, aber es zieht mich zu den Pyramiden. Auf dem Weg dorthin wird es noch heisser und ich fahre an unzähligen teilweise mumifizierten Kadavern von Kamelen, Schafen und Eseln vorbei. Knochen liegen fast überall in der Wüste. Dabei führt die Strasse fast nirgends weiter vom Nil weg als 10km. Unheimlichkeit, die noch verstärkt wird da der Horizont vor Hitze trübe wird und der Wind immer häufiger Sand über die Strasse oder hoch in die Luft trägt.
In dieser Stimmung glaube ich eine Fata Morgana zu sehen, als plötzlich zwei rote BMW Motorräder vor mir auftauchen. Es sind Manuel und Denise, von denen ich schon in Khartoum gehört hatte. Sie sind auf dem Weg in den Jemen und haben von dort noch einen weiten Weg vor sich. Eigentlich wollten sie heute auch bei den Pyramiden schlafen aber der Wind und der Sand treiben sie nach Khartoum, wo wir noch viel Zeit zum Erfahrungsaustausch haben werden.
Ich fahre weiter und sehe die Pyramiden etwa um drei schon von Weitem von der Strasse. Sie sehen unwirklich aus und ich denke ich bin im Film. Wer baut mitten in die Wüste 50 Steinpyramiden? Strasse führt keine zu den Pyramiden und so biege ich einfach ab und ziehe meine Spur durch den Sand zu den Pyramiden. Das einzige was hier zeigt, dass ich nicht 3000 Jahre zurückgereist bin, ist der Stacheldrahtzaun, der weitläufig um das Gelände führt und der Eintritt von 10 Dollar. Für diese bekommt man allerdings ein einzigartiges Erlebnis - die Einsamkeit der Wüste in der Welt der Pharaonen. Um 6 verabschiedet sich der Wärter und Kongoni und ich sind alleine mit Sand, Stein, Wind und vielen noch immer vergrabenen Mumien. Auf einem Rundgang durch diese berauschende Welt suche ich mir einen Lagerlatz direkt vor einer der Pyramiden, deren Tür sogar offen ist und mich eintreten lässt. Auf dem Weg dorthin mit Motorrad und Gepäck grabe ich mich zum ersten mal ein, aber meine Namibia Erfahrung hilft frei zu kommen.
Während ich auf das schöne Abendlicht warte, koche ich vor meiner Pyramide und genieße die Stille, die nur vom Wind gebrochen wird. Dieser sorgt leider dafür, dass ich neben Zwiebeln und Thunfisch auch noch ne Stange Sand an den Nudeln habe. Im Abendlicht laufe ich dann wieder eine Runde durch das Totenreich der Könige. Dabei kann ich mich nicht sattsehen an beeindruckenden Hyroglyphen, den Pyramiden und vor allem auch den Dünen, die versuchen langsam die Pyramiden zu schlucken. Diese wird Ihnen aber nicht glücken, auch wenn diese Pyramiden im Vergleich zu den Ägyptischen klein sind. Ich schätze die Größten bringen es auf 20m Höhe.
Mit dem Sonnenuntergang rolle ich die Thermarest vor der Pyramide auf und lege mich hin mit dem Blick zu den aufgehenden Sternen. Wäre doch nur Heidi hier, um das zu teilen. In die Realität zurück holt mich leider wieder der Wind, der mich ständig pudert. So bin ich leider gezwungen ins Innere der Pyramide umzuziehen, das später vom Mondlicht erhellt wird, das zur Tür hereinfällt. Welcher König hier wohl ruht?
Am morgen wache ich trotz der Stille vor Sonnenaufgang auf, setze mich auf eine Düne um zu beobachten, wie die Sonne die Pyramiden wieder in warmes orange taucht. Aber das können nur Bilder beschreiben. (Die werden mir später leider fast alle durch einen unfähigen Aegypter gelöscht!) Ich geniesse noch eine Stunde den Anblick und die Stille, bevor ich dieses mystischen Platz wieder verlasse, da ich versprochen habe, zum Frühstück wieder in Shendi zu sein.
Dort esse ich mit Faitz Kebap zum Frühstück und lerne noch weitere Verwandte kennen. Den ganzen Tag könnte ich hier sitzen und das Marktgeschehen beobachten. Lediglich die schon wieder steigenden Temperaturen zwingen mich zum Aufbruch und Abschied. Faitz lässt mich nicht ohne ein Abschiedsgeschenk gehen und überreicht mir eine Sudanesische Musikkasette. Diese wird mir immer als nette Erinnerung dienen.
Die Rückfahrt ist ereignislos und heiß und während ich versuche immer die richtige Geschwindigkeit zu finden um das Kochen des KTM Agregates zu verhindern. Ich sehne mich nach einer kalten Dusche. In Khartoum werde ich schon von Manuel und Denise erwartet und wir haben eine tolle Zeit. Besonders der Freitag ist klasse da uns Kamal auf sein Boot einlädt und mit uns und seinen zwei Jungs zum Krokodilstrand fährt. Krokodile gibt es hier weit und breit nicht, jedoch feinsten Sand. Dieser wird über den Tag von immer mehr Menschen bevölkert und während man an Land Sudanesen in den klassischen Gewändern sieht, vergnügen sich Botschaftsangehörige in Bikinis auf Booten und Jetskis. Das ganze erscheint aber völlig frei von Spannungen und jeder hat eine tolle Zeit. Wir genießen das kühle Nass des Nils, tolle Spaghetti von Kamals Frau und saftige Melonen und Mangos. Wer würde das in Khartoum erwarten? Zum Schluss gibt es sogar noch ne Runde Wasserski in den Sonnenuntergang. Ich bin leider zu schwer für die Ski und den Motor des Bootes, aber es war schön es mal wieder zu probieren.

Das sind die Erlebnisse der letzten drei Tage im Sudan. Ich melde mich dann bald mit neuen Erlebnissen wieder.


12.05.2004 - Khartoum

Etwas mehr zum lokalen Bürokratismus. Angefangen hat er ja an der Grenze, wo man mir gesagt hat ich hätte ein falsches Visum (Visitor statt Tourist) und man hätte vergessen mir Arabische Fahrzeugdokumente zu geben. Ersteres war dann aber doch egal und die Mopedpapiere konnte ich gegen fünf Dollar vor Ort bekommen. Nun bin ich stolzer Besitzer von einem Arabischen Fresszettel, aber immerhin mit Quittung. Dann sollte ich noch meinen Pass registrieren, wozu ich aber nicht genug Geld hatte. Die Schwartauscher wollten mich wie immer abzocken, worauf ich dann mit den Zöllnern vereinbart habe, dass ich mich in Gedaref registriere. Das wollte ich dann gestern Morgen zuerst tun, bevor ich meinen Pass den Ägyptern in die Hände gebe. Ich also hin zur im Lonely Planet angegeben Adresse. Die war aber falsch und ich musste mich zur richtigen Stelle in der Stadt durchfragen. Dies ist ein kleines Hinterhof Kabuff, zu dem man kommt in dem man über eine Baustelle läuft. Am Schalter wollte ich dann mal fragen wie es so lauft aber der offensichtlich lustlose Beamte hat mir nur signalisiert mich hinzusetzen und zu warten. Und während er dann gähnend so dasitzt, im Nebenzimmer tratscht und gelegentlich am Schalter Zeitung liest, warte ich. Als es mir nach 45 Minuten zu dumm wird, frage ich mal einen jungen Kollegen in zivil um Rat. Von dem erfahre ich dann dass ich ne Kopie vom Pass und dem letzten Visum brauche. Diese kann er mir für ein paar Dinar machen. Und dann bräuchte ich noch ein Formular, das mir ein Sudanese oder auch mein Hotel unterschreiben muss. So weit hätte ich schon 45 Minuten früher sein können. Ich also mit dem Formular zum Segelclub, wo bis zum Abend keiner war, der mir nen Stempel geben konnte. Als ich dann um 20 Uhr den Stempel hatte, bin ich gleich wieder zur Polizei und war froh, dass ein anderer Beamte da war (24 Stunden geöffnet). Dieser war auch freundlich und hilfsbereit und hat mir die Registrierungsbriefmarke in fünf Minuten in den Pass geklebt. Die Gebühr waren Stolze 3000 Dinar (12 Dollar) für die es keine Quittung gab. Nun frage ich mich ob die Registrierung so eine Abzocke ist, ob sich da einer etwas in die Tasche verdient oder ob die Sudanesen mit Ihrer bekloppten Währung nicht zurecht kommen . Hier denken nämlich noch alle in Sudanesischen Pfund und werfen dann die Währungen ständig durcheinander. So bin ich bei jeder Preisangabe am Nachfragen und bin danach von neuem verwirrt. Wenn sie hier dann 6000 sagen meinen sie 600 und umgekehrt. Es ist zum Schreien. Aber immerhin bin ich nun polizeilich registriert und mein Visum ist gültig. Ebenfalls gestern wollte ich mein Ägypten Visum beantragen. Die Botschaft habe ich mit Hilfe des lokalen XR600 Fahrers Mohammed auch gleich gefunden (wilde Verfolgungsfahrt durch die Stadt). Dort angekommen hält dann einer die Tuer zu und bafft jeden in unfreundlichem Arabisch an. Nach Mohammed als Übersetzer erfahre ich, dass an der Seite ein Fenster ist, wo ich mich melden muss. Davon gab es zwei, eines mit Schatten und eines in der Sonne. Im Schatten habe ich mich dann vorgedrängelt und erfahren dass der zuständige gerade im Inneren des Gebäudes ist. Na das kann ja toll werden. Ich habe mich dann entschieden zuerst die Werkstattgeschichte zu erledigen und dann früh am nächsten Morgen zu kommen, wenn es kühler ist und ich registriert bin. Ich gestern also gleich um acht hin, um zu sehen dass am Schattenfenster schon mindestens 20 Menschen warten. Ich wollte mich gerade frustriert anstellen als mich einer anspricht. Er meinte dann, das Fenster würde eh erst um neun öffnen und fuer bevorzugte Ausländerbehandlung sollte ich ans Sonnenfenster, das erst um elf aufmacht. Ich also wieder zum Camp zum Frühstücken und um halb elf wieder hin. Als ich mich dann in der 15 Personenschlange am Sonnenfenster anstellen will, sagen mir andere ich sei hier falsch und Touristen gehören ans Schattenfenster. Ich also wieder dahin gedackelt und zu meiner Ueberraschung winkt mich ein Polizist vor und noch toller der zuständige Grieskram ist da. Es ist der Typ der gestern alle an der Tür abgewimmelt hat. Ich denke schon klasse! Aber als ich sage ich bin Deutscher gibt er mir gleich ein Formular und meint kein Problem ich müsse lediglich 60000 Dinar zahlen! Das sind 240 Dollar!!! Ich dachte super und habe so richtig ne Hass bekommen, während ich frustriert zur Bank loslaufe. Auf dem Weg dorthin spricht mich wieder ein netter Sudanese an und möchte plaudern. Ihm erzähle ich dann die Geschichte und er meint das sei zuviel und ein Missverständnis. Ich hatte allerdings schon 2x wegen des Preises nachgefragt. Daraufhin bin ich aber noch ein drittes Mal zu dem Typ und hab Ihm einfach meinen Pass, zwei Photos, das Empfehlungsschreiben der Botschaft und 6000 Dinar (!) hingestreckt. Und siehe dar - es war genug und zu meiner völlig Verblüffung meinte er ich könne den Pass am nächsten Tag abholen. Ich denke da muss was faul sein, da das doch Ägypter sind. Nun war es billiger als erwartet und auch noch schnell. Ich also heute voller Zweifel hin zum Abholen. Auf alles war ich gefasst aber nicht auf das. Keine Schlange und der Pass mit Visum war fertig!!!!!!!!!!!!!!! Ich noch immer perplex! Jetzt könnte ich eigentlich losfahren in Richtung Wadi Halfa und wenn ich Morgen führe, könnte ich die Fähre am 18. erreichen. Allerdings wird das etwas hektisch, da ich Khartoum noch nicht gesehen habe und gerne noch mit den Deutschen reden möchte die in zwei Tagen zum Club zurückkommen sollen. Ich werde also auf die Fähre am 25. gehen. Dann habe ich genug Zeit Khartoum zu sehen, mir letzte Tipps zu holen, vielleicht noch nen Reifen aufzutreiben und vielleicht nen Tagestrip nach Merowe zu machen. Und dann plane ich mal noch ein bis zwei extra Tage für die Strecke nach Wadi Halfa ein.


08.05.2004 - Khartoum, Sudan

Nach einem extra Tag in Gondar bin ich voller Vorfreude in Richtung Sudan aufgebrochen. Nach 12 km war der Teer zu Ende und eine Wellblechpiste hat mich langsam von 2100m auf 700m hinabgeführt. Um mit jedem verlorenen Höhenmeter wurde es auch wärmer. Schon hier bin ich froh zusätzliches Wasser dabei zu haben. Ca. 40 km vor der Grenze ist noch mal ein Ort, wo sich auch der Äthiopische Zoll befindet. Ich hatte vor noch an diesem Tag über die Grenze zu fahre und dann im Sudan an einer Tankstelle zu übernachten wie es auch ein anderer Motorradfahrer gemacht hat, den ich in Addis getroffen hatte. Dieser Plan wurde allerdings 20km vor dem besagten Ort zu Nichte gemacht, als ich plötzlich ein Knacken vernehme und sich meine Sitzposition verändert. Beim Anhalten stelle ich fest, dass der Heckrahmen unter der Sitzbank gebrochen war. Auch eine Hardenduro ist wohl nicht für viel Gepäck und den Norden Kenias bzw. ganz Äthiopien gebaut. Fahren konnte ich so eigentlich noch, wäre nicht durch den Knick der Luftfilter vom Vergaser gerutscht. Mir schießen Gedanken in den Kopf wie "das war es" oder "fliege ich nun von Addis oder Khartoum". Aber das wäre auch nicht einfach in der Mitte zwischen diesen beiden Städten in der tiefsten Pampa. Ich fahre also vorsichtig weiter bis zur sichtbaren Ortschaft in der Hoffnung, dass der Motor nicht zuviel ungefilterte Luft erwischt. Im Ort halte ich zur Verwunderung der Bevölkerung unter einem Baum direkt vor einer Hütte an. Was nun? Ich baue erstmal das ganze Gepäck und Sitzbank ab und schaue mir den Schaden an. Auf der linken Seite war eine Schraube gebrochen und auf der anderen Seite der ganze Rahmen. Schweissgeäet gibt es diesem Ort nicht aber wohl im Grenzort. Anstatt auf Transport zu hoffen (Kenia!!) klappe ich mit Hilfe der Bauern das Heck wieder hoch und binde es mit Spanngurten am Lenkkopf fest. Als das Gepäck wieder drauf ist hält noch alles nur sitzen kann ich wegen der Gurte nicht mehr. Ich steige also beim Fahren auf wie einst Edi Hau und fahre stehend die 20km zum Grenzort. Dort buche ich mich in eines der wenigen schäbigen Hotels ein. Dieses ist furchtbar nett, aber wenn ich hier keine Flöhe bekomme dann nirgends. Das wichtige aber ist, dass um die Ecke eine Werkstatt ist, in der man mit Hilfe eines Aggregates Elektroschweißen kann. Ich darf nicht hinschauen aber den Jungs gelingt es tatsächlich für 35 Birr das Heck zu flicken und am Nachmittag könnte es weitergehen. Ich bleibe nun aber im freundlichen Hotel meiner Wahl und genieße den Abend mit weiterem Abschiedsbier. Die Atmosphäre in diesem Ort ist ganz besonders und wohl schon fast Sudanesisch. Die gesamte Bevölkerung sitzt auf niedrigen Bänkchen auf der Strasse und trinkt Tee oder Kaffee, den hier jede Frau kocht. Der Tee ist unheimlich Sues aber lecker. Dazu esse ich frisch gebratene Dounuts, die in der Pfanne auf Holzkohle ebenfalls an der Strasse gemacht werden. Ich sitze zwischen all den Leuten, die mich und meine Motorradhosen bestaunen. Englisch sprechen nur in paar Kinder aber es ist dennoch sehr nett. Ich bekomme Vorfreude auf den Sudan. Am nächsten Morgen fahre ich um sieben weiter um zur Grenzöffnung dort zu sein. Schon jetzt wird es wieder warm und mir stehen noch Stunden fahrt bis Wad Medani (420km) bevor. An der Sudanesischen Grenze ist man nett, aber umständlich. Man sagt mir es fehlen die Motorradpapiere von der Botschaft und mein Visum sei falsch. Ich bräuchte Tourist nicht Visitor. Aber nach etwas Jammern, Lächeln uns Smalltalk zeigen sich die Beamten hilfsbereit und machen ne Ausnahme. Das Visum sei schon ok. und die Motorradpapiere kosten mich 5 Dollar. Das ganze dauert ne Stunde, was neuer Grenzrekord ist. Die Strasse in den Sudan ist noch etwas schlechter als aus Äthiopien und ich fahre immer wieder auf Nebenpisten um Wellblech und Steinen zu entgehen. Alle 50km ist dann plötzlich ein Roadblock an dem Beamten in Zivil unter Strohdächern sitzen. Ich glaube Ihnen und lasse geduldig meinen Pass abschreiben. Später erklärt man mir, dass die Uniformen einfach zu warm sind. Nach zwei Stunden komme ich in Gedaref an und freue mich auf die Teerstrasse, die ich aber nicht finde, da die Strasse direkt in ein Labyrinth von Gassen führt. Das GPS hilft und irgendwann komme ich in ein Art Zentrum und finde dort sogar ne Bank die Euro tauscht. Die Bankleute sind sehr nett, unterhalten sich und bieten mir kaltes Wasser an. Wasser bekommt man hier überall und ich fange an, an die Sauberkeit zu glauben. Auf Beschreibung des Bankers finde ich auch einen Imbiss zur Stärkung. Ich passe mich den anderen Gästen an, trinke ne Pepsi und Esse ein Brötchen, das man sich mit Fisch, Schaf oder Huhn belegen lassen kann. Nicht anpassen kann ich meinen Stil, da hier alle Maenner Kaftan tragen und Handys in der Hand halten. Der Kontrast ist irre - der Sudan sieht rückständig aus, ist aber im Vergleich zu Zentralafrika Hightech Land. Was man hier extrem wenig findet sind Englischsprachige Menschen oder Schilder. Aus Gedaref raus finde ich auch wieder dank GPS und stehe plötzlich auf dem langen und fast geraden Asphaltband, das nach Khartoum führt. Die KTM bekommt endlich mal wieder guten Sprit aus einer Zapfsäule und los geht's durch Buschland das zunehmend kahler wird. Hier sind es aber nicht die Menschen, die alles kahl hauen sondern die Hitze. Nach dem Regen scheinen das alles Felder zu sein, wie ich an vielen Mähdreschern und Traktoren sehe. Alle 10km gönne ich mir Wasser aus dem Camelback und ich zähle die Truckstops am Weg, die die einzige Abwechslung bieten. Mitten im Nirgendwo stehen dann plötzlich Hütten, die gekühlte Getränke und Essen anbieten. Das ist hier schon eine andere Welt. Ebenso wie Luxusbusse, Mercedes und neue Roadtrains, die mir entgegen kommen. Mir wird wieder bewusst wie arm Äthiopien war. Am frühen Nachmittag erreiche ich nass geschwitzt den Blauen Nil und Wad Medani. Die Hotels sind teuer aber ich schaffe eines herunterzuhandeln. Auf Absteige habe ich nicht schon wieder Lust. Mein Zimmer hat Ventilator und man bringt mir kaltes Wasser in der Thermoskanne. Dies genieße ich wie die kalte Dusche und mein erstes Kebap am Nilufer, das köstlich schmeckt aber recht teuer ist. Äthiopien hatte doch auch Vorzüge. Und dann ist da noch der Bierdurst. Wie erfrischend wäre jetzt ein kaltes Bier?! Die Strecke nach Khartoum ist langweilig und recht verkehrsreich. Die Vegetation wird immer spärlicher mit Ausnahme von Land das vom Nil bewässert wird. Was mich schockiert ist der viele Müll am Straßenrand der im Wind weht und die Wüste bunt macht. Und dann ist da noch der süßliche Geruch, der mir immer wieder in der Nase sticht, bis ich realisiere, dass das von toten Kamelen, Rindern, Schafen und Hunden kommt, die hier ständig am Straßenrand zu sehen sind. Ich werde an Botswana erinnern, aber im Sudan ist es schlimmer. Ich frage mich ob all die Tiere überfahren wurden oder ob sie schlichtweg verdursten? Ich bin froh als ich nach Khartoum komme und die grünen Alleen oder das Nilufer sehe. Ich versuche mir vorzustellen wie grün es wohl gerade am Kaiserstuhl oder in Schwarzach ist. In Khartoum schlage ich min Zelt direkt am Nilufer auf, wo sich im Blue Nile Sailing Club die High Society der Stadt trifft. Die Leute sind jedoch furchtbar nett und weniger später werde ich von Kamal dem Präsidenten des Clubs auf ne Pepsi eingeladen. So sitze ich im Schatten und unterhalte mich mit all den Herren im Freitags Kaftan und Sonnenbrille. Meiner Bekanntschaft zu dem Polnischen Photographen Richard verdanke ich es, dass ich später mitgenommen werde zum Tanz der Derwische. Dies sind Angehörige einer Islamischen Sekte, die sich Freitags zum Tanz treffen und sich dabei in Trance rotieren. Das ganze ist äußerst unterhaltsam und findet einiges Publikum. Wer nicht mitmacht schaut zu oder setzt sich auf einen Tee oder Kaffee in den Schatten. Der Tanz ist nicht extrem und hat eine friedliche und fast lustige Ausstrahlung. Wieder einmal überrascht mich der Islam. Während ich zuschaue werde ich immer wieder von interessierten jungen Männern angesprochen, die Ihr Englisch üben wollen. Keine bettelnden Kinder und keiner der etwas verkaufen will! Ganz im Gegenteil werde ich sogar auf Wassereis und später auf Kaffee eingeladen. Wäre es nicht so heiß, könnte ich den Sudan richtig genießen.


04.05.04 - Gondar

Ich habe nun Gondar erreicht. Hier ist es recht gemütlich und ich werde noch einen Tag bleiben, da es keinen Sinn macht am Donnerstag nach Khartoum zu kommen, wenn Freitag eh die Botschaften zu sind. So können dann auch die beiden Holländer aufholen, die ich ja in Bahir Dar wieder getroffen hatte und vielleicht auch ein Deutscher Motorradfahrer. Von Beate und Dirk in Addis habe ich gehört, dass einer ebenfalls auf dem Weg nach Norden ist. Den zu treffen wäre natürlich genial.

So nun aber zum Erlebten. Lalibela hatte ich ja bereits beschrieben. Von dort bin ich auf einer Nebenstrecke die kürzer ist nach Norden gefahren, um in der Industriestadt Mekele zu übernachten. Dieser Weg war zwar kürzer aber recht beschwerlich. Wie immer sollte man stutzig werden, wenn das GPS nur die halbe Entfernung der Karte anzeigt. Und so ging es dann auch auf sehr wechselhaften Schotterstrassen durch eine tolle Bergwelt. Wäre hier nicht alles vertrocknet, könnte es wie Lesotho sein. Immer wieder windet sich die Strasse von 1000m auf 3000m und zurück und auf 180km begegnet mir kaum ein Auto. Am Vorderrad hatte ich einen schleichenden Platten, den ich hoffte am Abend in Mekele reparieren zu können. Aber die Fahrstabilität war dann zu schlecht und an einem schön Fleck mit wenig Publikum habe ich mal wieder den Schlauch gewechselt. Schuld war ein kleiner Dorn im Vorderrad. Mit prallem Reifen fuhr es sich dann wieder viel besser und ich wurde damit belohnt, in einem schönen grünen Tal auf die Hauptpiste zu kommen. Und diese war dann wenig später zu meiner Überraschung auch noch geteert. In 10 Jahren kann man Äthiopien mit einer Goldwing fahren. Aber mich freut der Teer mittlerweile auch, weil er die Reifen schon und Zeit spart. Von Mekele geht's am nächsten Tag weiter nach Adigrat zum Kaffee, wo dann auch der Teer endet. Zwischen Mekele und Adigrat ist das Land flach, noch trockener und auch recht warm. Am Straßenrand tauchen dann auch immer wieder Kamele auf und ich glaube schon im Sudan zu sein. Nach Axum führt die Strasse dann aber wieder in die Berge und die Kamele werden seltener. Noch vor Axum liegt das Kloster Debre Damo auf einem Tafelberg. Es ist nur für Männer offen und man muss 15m an einem Lederstrick nach oben klettern. Das habe ich mir natürlich nicht entgehen lassen. Gesellschaft habe ich bei dem Abendteuer vom Amerikaner Bruce bekommen, der schon über 10 Monate mit dem Rucksack unterwegs ist. Zum Kloster kam er per Bus und Fahrrad. Das Fahrrad war allerdings nutzlos, da die 12km zum Kloster wirklich deftig zum Fahren sind und er gleich einen Platten hatte. Den habe ich versucht zu flicken, aber danach ist der Schlauch geplatzt. Wie er nachher nach Axum gekommen ist, ist ein Abendteuer für sich. Auf dem Weg zum Kloster war noch eine Polizeisperre, die meinen Pass bis zur Rückkehr einbehalten hat. Ein Blick auf die Karte erklärte mir wieso. Eine Nebenpiste geht direkt nach Eritrea, aber das musste nicht sein. Axum war ein ganz netter Ort, wieder überfüllt mit Guides. Die Stelen sind nett, kommen aber an Lalibela nicht heran. Gut war jedoch ein Besuch im bescheidenen Museum mit einer Privatführung vom Archäologen persönlich, die mir die Geschichte Äthiopiens näher gebracht hat. Erstaunlich ist auch, dass noch nicht alle Geheimnisse gelüftet sind, da die Mittel fehlen. So liegen unter einer Stehle noch immer 10 Gruften, die noch nicht geöffnet wurden, da die Mittel fehlen. Eine der Stehlen wurde von den Faschisten entwendet und steht mit ihren 23m und x Tonnen in Rom. Von Axum nach Gondar geht es durch die Simien Mountains. Die Strasse ist die schlechteste in Äthiopien, aber weniger spektakulär als die Strecke nach Lalibela. Der in der Karte mit 3200m angegebene Wokefit Pass hat in Wirklichkeit nur 3011m aber man hört ja immer wieder von der Erosion in Äthiopien. So richtig hoch ging es aber dann im Nationalpark. Ich habe rein zufällig das letzte Camp übersehen, da eine Strasse zu verlockend war. Dieser folgend haben die KTM und ich uns dann irgendwann auf 4300m befunden. Nicht schlecht dafür, dass der höchste Berg Äthiopiens 4630m hat. Der KTM war es dann auch pudelwohl aber ich hatte vom schnellen Aufstieg Kopfweh. Deshalb bin ich dann auch flux wieder zum ersten Camp zurückgefahren und habe auf 3200m einsam das Zelt aufgeschlagen. Lediglich ein Scout mit Kalaschnikov hat neben dem Zelt geschlafen. Nicht weil es hier so gefährlich wäre sondern eher als Arbeitsbeschaffung. Mit Ihm habe ich am Abend noch eine Rundgang gemacht und dabei einen Buschbrand entdeckt. Um andere Scouts zu alarmieren hat er dann gleich neben mir ein paar Schüsse abgefeuert, was ganz schön bumst und beweist, dass die Russenteile geladen sind. Auf dem Rückweg habe ich für meinen Scout dann noch Klippspringer und einen Bushbock gespottet. Das hat Ihn so beeindruckt, dass er mich zu sich zur Kaffee Zeremonie eingeladen hat. Das war mittlerweile meine Dritte und es reicht. Irgendwie bekomme ich immer ein schlechtes Gewissen. Später hat der Scout noch ein Lagerfeuer vor dem Zelt gemacht, wofür ich das Holz bezahlt habe. Ich bin dann früh eingeschlafen, während er draußen genächtigt hat. In der Nacht hat es dann auch noch geregnet, worauf ich ihm meine alten Skisocken geschenkt habe. Die dürften zwar zu groß sein, aber er kann sie besser gebrauchen als ich. Auf dem Weg aus den Bergen hat mich dann etwas meine Benzinanzeige geschockt. Gerade mal 400km und auf Reserve. Aber die Höhenluft, die Bergstrassen und ein schmutziger Luftfilter fordern ihren Zoll. Aber immerhin weiß ich dass Kongoni nichts gegen Schwarzmarkt Benzin hat und kann auch wieder 4 Liter auftreiben, die mich nach Gondar bringen. Hier sitze ich nun und lasse das einzigartige Äthiopien Revuepassieren. Würde ich wiederkommen? Vielleicht in 10 Jahren, wenn sie aufgeholt haben. Bis dahin gehe ich in die Alpen oder nach Lesotho und schaue mir mal die Europäische Geschichte an - und natürlich die Photos von Lalibella. Ach ja und da wären ja noch die Paläste von Gondar. Hier fühlt man sich ins Mittelalter mit seinen Burgen versetzt. Aber das eigentlich tolle ist, dass man auf dem Palastgelände am Morgen ganz alleine ist - und das ist in Äthiopien selten! So nun seid Ihr wieder auf dem Laufenden. Ich melde mich dann aus dem Sudan wieder!


28.04.04 - Mekele

Nachdem ich einen Tag mehr als geplant in Bahir Dar geblieben bin, weil mich die fette Panade um ein Fischfilet geplagt hat, bin ich dann doch endlich wieder mit meiner KTM durchgestartet. Mein nächstes Ziel hieß Lalibella mit seinen beeindruckenden Klöster und Kirchen. Lalibela war wahnsinnig. Ich habe in den letzten 10 Jahren nicht soviel Zeit in Kirchen verbracht wie in den letzten beiden Tagen. Die Kirchen mit all den Gängen und Winkeln sind schon toll. Besonders wenn man frühmorgens hingeht, wenn die Priester singen und Weihrauch verbrennen. Lalibela war sicher der bisherige Äthiopien - Höhepunkt. Die Landschaften, die ich heute durchfahren habe sind allerdings nicht weniger beeindruckend. Ständig zwischen 1900 und 3100m bin ich heute bergauf und bergab gefahren. Das zieht sich ganz schön und für 320km bin ich 8 Stunden im Sattel gesessen. Mitgerechnet ist ein Platten, den ich auch noch zu flicken hatte. Man sollte es ja nicht glauben, aber hier in Äthiopien bin ich froh, ab und an Teer fahren zu können. Inzwischen bin ich in Mekele angekommen. Das ist eine nicht schöne Industriestadt zwischen Lalibella und Aksum. Aber es gibt hier Internetanschluss und so wollte ich kurz meine Erlebnisse der letzten paar Tage schildern. Bis demnächst wieder.


23.04.2004 - Bahir Dar

Heute habe ich die Klöster auf dem Tana See besucht. Irgendwie sehen diese Kirchen total anders aus, als man sich Kirchen so vorstellt. Nur die knallbunt bemalten Wände im Inneren lassen einem wieder an Kirche denken. Die Architektur ohne Bilder zu beschreiben ist wirklich schwer.  Im wesentlichen handelt es sich um Rundhütten mit einer Höhe von vielleicht 6-7 m und einem Durchmesser von 10-12 m. Im Inneren ist ein quadratischer Raum mit heiligem Inhalt, den nur die Priester sehen dürfen. Die Gemälde schmücken alle vier Außenseiten dieses Raumes. Die Farben stehen in tollem Kontrast zu der Bauweise aus altem Holz und Erde. Ebenso erstaunlich wie die Kirchen sind die Wächter, die ebenso alt zu sein scheinen! Wie sie da stehen im Eingang zur Kirche, stolz Ihren Vorkriegskarabiner haltend, ist schon irre und beeindruckt - mehr als angeblich echte silberne Königskronen. Nach diesem Besuch bin ich nun mächtig gespannt auf Lalibella, das ich morgen erreichen möchte. Die Strecke dahin sei allerdings die härteste auf meiner Äthiopientour, wie mir die beiden Motorradfahrer aus Bayern erzählt haben. Ich hoffe nur mein Reifen wird nicht zu sehr gefressen um noch Reserven für den Sudan zu haben. Da ich im Norden von Äthiopien wahrscheinlich keinen Internetzugang haben werde, wird es einige Zeit dauern, bis ich meinen nächsten Reisebericht senden kann.


22.04.2004 – Bahir Dar

Keine Angst ich bin nicht mehr in Addis, sondern habe mich gestern losgerissen. In einer wahren Monsteretappe (530km) bin ich dann bis nach Bahir Dar gebrummt, da die Hotels unterwegs außer Flöhen und fließend Wasser aus einem Eimer nichts zu bieten hatten. Die Fahrt war teilweise entspannt (200km neuer Teer aus Japan, der gerade feierlich eingeweiht wurde, Limousinen, Militärparade, als ich durchkam) teilweise hart (Geroell a la Marsabit, Nilschlucht auf 1090m aus 3100m kommen und nach 2900m wieder aufsteigend). Ich habe es dann gerade noch geschafft rechtzeitig zum Zeltaufbau am Tana See zu sein. Dann wurde es dunkel. Beim Abendessen habe ich dann wieder das holländische Pärchen vom Rangis Camp getroffen (Defender mit GP), die langsamer reisen als wir. Nach Äthiopien sind sie allerdings gekommen, als wir gerade zurück nach Nairobi sind. In Marsabit hat man ihnen von uns erzählt. Morgen fahren wir gemeinsam zu den Klöstern auf den See. Übermorgen will ich nach Lalibella und sie fliegen kurz Heim. Aber wenn es der Zufall will, treffen wir uns im Sudan wieder. Das wäre echt nett. Ebenfalls auf dem Hotelgelände sind zwei Honda Dominator aus Deutschland. Ich konnte mit den Fahrern noch nicht sprechen, aber sie kommen aus dem Norden. Bei Ihnen kann ich mir sicher viele weitere Tipps holen. Als ich heute aufgewacht bin, ist die Sonne über dem See aufgegangen, über den Pelikane geflogen sind. Das gezwitschere der vielen exotischen Vögel ist herrlich. Während ich auf der Terrasse gefrühstückt habe, saßen Webervögel auf den Stühlen, Nektarvögel in den Blumen vor mir und ein großer Tukan über mir im Baum. Der wurde allerdings später von einem Seeadler abgelöst, der einen kleinen Fisch verspeist hat. Gestern auf dem Weg habe ich ein Brötchen gegessen, während in etwa 10m Entfernung sicher 40 Geier im Feld saßen. Die Landschaft kommt hier noch nicht an Lesotho heran, und ist sehr stark von Ackerbau geprägt, aber die Vogelwelt und Menschen sind berauschend. Die Menschen am Straßenrand gestern waren wieder ganz anders als im Süden Äthiopiens. Hier auf den Hochebenen, 2500-3200 m, tragen die Menschen dickere Stoffe, die an Mönchskutten erinnern. Auch die Farben sind nicht mehr bunt sondern gedeckte Töne, häufig Tannengrün oder auch Lila. Frauen tragen häufig beige farbene Gewänder mit groben Stickereien in Grün und Lila. Richtig erfrischend wirken gelegentlich weiße Tücher mit Rändern in den äthiopischen Landesfarben. Die Frauen sind hier häufig rasiert und Kindern lässt man einzelne Haarbüschel stehen, was echt lustig aussieht. Viele kleine Punks am Straßenrand. Bahir Dar ist sehr zivilisiert und richtet sich so langsam auf Touristen ein. So hat es hier auch ganze vier Internet Cafes nebeneinander. Wie ich von Saskia und Arnold (den Holländern) weis, sei Lalibella, mein nächstes Ziel, das Gegenteil. Kein Internet, keine Tankstelle und Flöhe auf den Zimmern. Heute morgen war ich noch kurz an den Nilfällen. Diese waren dank des 2 Jahre alten Wasserkraftwerks jedoch nicht so berauschend. 80% des Wassers fallen nun nämlich auf die Turbinen und die eigentlichen Fälle schaffen es nur in der Regenzeit oder nachts zu Bestform. Dann sehen sie aus wie die Victoriafälle in halber Höhe. Schön war es dennoch, dort gewesen zu sein, begleitet mich der Nil nun doch bis nach Kairo. Und dann waren da ja noch die 30km hin und zurück ohne Gepäck, was auch immer ein mords Spaß ist. Vom Endurofahren habe ich also noch nicht genug!


19.04.04 – Addis Abeba

Dies ist mein (Kay) erster Reisebericht, den ich verfasse, seit Heidi von Nairobi aus nach Hause geflogen ist und ich alleine unterwegs bin. Ich bin inzwischen in Addis angekommen, was auch heißt, dass ich dieses mal die nördliche Wüste von Kenia erfolgreich durchquert habe. Aber nun etwas ausführlicher.

Nachdem ich Heidi am Abend des 05. April am Flughafen in Nairobi abgeliefert hatte, kehrte ich zu Rangis Camp zurück. Leider fing es in der Nacht auch wieder an zu regnen. Aber am nächsten morgen zeigte sich die Sonne wieder von ihrer besten Seite und ich fuhr in schönem Wetter los in Richtung Äthiopien. Auf der Strecke zwischen Nairobi und Moyale habe ich mich doch sehr einsam gefühlt. Sicherlich wurde das auch noch durch die nun wieder präsente Unsicherheit vor Banditenüberfällen verstärkt. Marsabit, das für uns beide schon fast Albtraum ähnlichen Status hat, empfing mich mit viel Regen. Die gesamte Fahrt bis Moyale war wirklich hart aber dieses mal ohne Überfälle, platte Reifen oder Steckenbleibens aus irgendwelchen Gründen. Als ich endlich Moyale erreichte übermannte mich ein wahres Glücksgefühl, diese Strecke endlich sicher hinter mich gebracht zu haben. Leider häufen sich die Nachrichten von Überfällen auf dieser Strecke wieder. Äthiopien ist für mich wieder eine ganz neue Welt. Die Musik klingt in meinen Ohren indisch. Englisch wird selten gesprochen. Das Essen ist gut und billig, wogegen die Unterkünfte schlecht und teuer sind. Die Leute empfinde ich bis jetzt als nett und freundlich. Bisher wurde ich nicht mit Steinen beschmissen, wie wir so oft gewarnt wurden und das von anderen Reisenden als äußerst nervenaufreibende „you you you“ Geschrei habe ich auch erst selten zu hören bekommen.

Die Strecke zwischen Moyale un Arba Minch ist eine sehr interessante Fahrt in Rift Valley. Die Landschaft zeigt sich in typischem Afrikalook und ist sehr fruchtbar. Nur wenige Menschen sind hier entlang der Strasse zu entdecken. Es gibt viele verschiedene Stämme, deren Kleidung und Hütten ebenso variantenreich sind. Da der Umweg ins Gebiet der Mursi, Tellerlippenmenschen, zu groß gewesen wäre und der Regen auch noch das seinige dazu tat, habe ich mich gegen einen Ausflug zu der wohl bekanntesten Völkergruppe in Äthiopien entschieden.

Arba Minch liegt malerisch über dem angrenzenden See. Ich bin froh endlich mal wieder im eigenen Zelt schlafen zu können. Leider klappt die geplante Krokodilfahrt nicht, da ich zum einen verschaukelt werde und zum anderen die Zufahrt zum Bootssteg so matschig ist, dass sich selbst ein Land Rover schon eingegraben hat. Stattdessen gibt es Leckeres bei der ortsansässigen Patisserie zusammen mit Alexander (D) und seiner italienischen Frau Carla. Die beiden sind auf einer ZongShen 150 unterwegs. Im Hotel beim Campingplatz lerne ich noch ein weiteres deutsches Paar kennen, das Lehrer an der deutschen Botschaftsschule in Addis Abeba sind. Sie laden mich ein, meine Zeit in Addis bei ihnen zu verbringen – dieses Angebot nehme ich natürlich gerne an. Ostern feiern wir ohne Ostereier.

Auf einer guten Teerstrasse fahre ich zusammen mit Alex und Carla von Arba Minch zum Langano See. Unterwegs müssen wir zunächst einen Kabelbrand and deren Zong Shen löschen und kurz darauf noch einen platten Reifen reparieren. Während letzterem sind wir umringt von unzähligen Einheimischen, die nett sind aber nicht zu gut duften.

Durch diese Verzögerungen kommen wir am Langano See erst am Abend an. Der See ist braun von Soda, welches das Wasser seifig macht und dadurch auch Billharziose verhindert. Der Lagano See ist der einzigste Billharziose freie See in Äthiopien. Wir haben nur Zeit für ein kurzes Bad am nächsten morgen, bevor es dann weiter geht in Richtung Addis Abeba. Unterwegs fange mich mir einen platten Reifen durch einen Nagel ein und schon wieder steht reparieren auf dem Programm. Dabei ersetzt ich gleich den völlig fertigen Dessert (11500km) durch den neuen MT21, den ich in Nairobi erstanden habe. Ich bekomme Hilfe von einer Bauernfamilie, was eine sehr schöne Erfahrung ist. Später hole ich Alexander und Carla wieder ein. Wir machen eine kurze Rast in Sashamene und gönnen uns einen frischen Obstsaft und „Tipps“. Eines von beidem wird daran schuld sein, dass ich in Addis mehrmals die Blumen düngen muss, denn mein Magen ist völlig vermöbelt.

In Addis wohne ich bei Dirk und Beate, die während meines Aufenthaltes zu guten Freunden werden. Sie machen mir Programm und ich lerne Addis als schmutzige und chaotische Stadt kennen, die aber alles zu bieten hat. Unzählige Restaurants, lebhaftes Nightlife mit viel Prostituierten (kann mich beherrschen!!!!!), luxuriöse Supermärkte, Muezins, Boutiquen, Patisserien. Auf der kulturellen Seite ist der Besuch im Natur historischen Museum ein Höhepunkt, wo Luci, die Vorfahrin der modernen Menschen liegt. Das Sudan Visum dauert leider 72 statt 24 Stunden. Das gibt mir aber wenigstens genügend Zeit, um Addis ausführlichst kennenzulernen und meinen Magen wieder auszukurieren. Wie es weitergeht in Äthiopien lasse ich dann demnächst wissen.


13.04.2004 – Oberbergen

Für alle, die noch nicht darüber informiert sind: ich bin seit Dienstag 06.04.04 zurück zu Hause in Deutschland. Kay führt die Reise fort und hat Arba Minch in Äthiopien sicher und dieses mal ohne Schwierigkeiten in der nördlichen Wüste Kenias erreicht. Er konnte mich bis jetzt nur einmal anrufen aber ich bin mir sicher, dass er eine gute Zeit hat und es geniesst.

Nachdem wir wieder Nairobi erreicht hatten, war ich mir absolut sicher, dass ich die Reise nicht fortsetzen werde. Ich wollte nur so schnell wie möglich nach Deutschland. I musste mir eingestehen, dass meine momentane psychische Verfassung eine Weiterreise nicht erlauben würde. Ich war viel zu demoralisiert durch all die unglücklichen Umstände und Ereignisse der letzten drei Wochen und ich war einfach nicht in der Lage mich nocheinmal zu motivieren. Kay kämpfte für etwa drei Tage mit sich mit der Erkenntnis nicht nach Hause fliegen zu wollen und statt dessen die Reise alleine fort zu setzen. Ich freute mich wirklich sehr über seine Entscheidung, da ich davon überzeugt bin, dass er es zurück in Deutschland bereut hätte mit mir heimgeflogen zu sein. Daher beschlossen wir auch eine weitere Woche in Nairobi zusammen zu bleiben, bevor sich unsere Wege trennten – natürlich nur für die restliche Zeit der Reise!

Diese gemeinsame Woche in Nairobi war wieder gefüllt mit organisatorischen Aufgaben. Wir haben das Lenkkopflager der XR reparieren lassen. Dieses mal aber in der KTM Werkstatt und wir blieben dabei, um zu zuschauen. Ich konnte dabei eine Menge lernen. Dann musste der Rücktransport der XR und von mir organisiert werden. Kay brauchte noch ein paar Kleinigkeiten – z.B. bessere Luftpumpe. Aber die verbleibende Zeit versuchten wir so gut es eben ging zu entspannen und zusammen zu genießen.

Natürlich waren wir beide wirklich traurig, als es am Montag abend für mich hiess ins Flugzeug zu steigen, um nach Zürich zu fliegen. Aber wir sind beide davon überzeugt, dass das der beste Weg und der beste Kompromiss ist. Es war tröstlich zu sehen, dass in der Wartehalle vor dem Boarding noch mehr Frauen mit von Tränen geröteten Augen saßen. Aber am nächsten Morgen in Zürich sahen wir alle schon wieder viel besser aus.

Während des Landeanfluges auf Zürich wurde mir bewusst, dass es nun vorbei ist. Ich habe Afrika hinter mir gelassen und muss mich nun wieder an das europäische Leben gewöhnen. Es war ein seltsames Gefühl zwischen Vorfreude und Traurigkeit. Ich werde nicht in vier Wochen wieder in Stellenbosch mit meinem „Unidrahtesel“ unterwegs sein. Ich werde nicht die nächsten paar Tage in irgendeiner Wüste oder einem Regenwald sein. Keine Strassenmärkte mit Tomaten, Zwiebeln, Mais und Nyama Choma. Dafür habe ich ein sicheres Zuhause, kann meine Familie und Freunde sehen und wieder etwas ruhiger leben. Kein tägliches Suchen nach einem Platz zum Schlafen. Keine LKW Fahrer, die einem so viel Geld wie möglich aus dem Kreuz leiern wollen. Keine schmutzige oder gar gesundheitsgefährdende Toilette im Jey Jey Center. Keine Werkstätten, die mehr kaputt machen als reparieren (habe ja zum Glück einen Bruder der das alles kann).

Meine Eltern haben schon in der Ankunftshalle des züricher Flughafens auf mich gewartet und ich glaube nicht, dass ich unsere Freude hier näher beschreiben muss. Während der Fahrt nach Hause habe ich realisiert, dass ich mir selbst wohl etwas Zeit zum akklimatisieren geben muss. Es war schon fast beängstigend. Autos und LKWs – überall. Enge Strassen. Tausende von Verkehrsschildern – in Nairobi gab es noch nicht einmal einen Wegweiser zum internationalen Flughafen. Aber der wahrscheinlich deutlichste Unterschied ist die Landschaft. Ich sagte meinen Eltern, dass ich den Eindruck habe, dass hier sogar das Gras auf den Wiesen und die Bäume nach DIN Norm wachsen. Alles sieht so gerade, geordnet, gut organisiert und sauber aus! Nun, ich vermute, dass diese Eindrücke wohl normal sind, nachdem man mehr als zwei Jahre in Afrika gelebt hat.

Der Rest der Familie hat mich herzlich empfangen und ich konnte auch schon ein paar unserer „alten“ Freunde besuchen. Es ist so schön zu sehen, dass man noch immer den gleichen Draht zueinander hat. Es fühlt sich im Moment so an als wäre man gerade mal für einen langen Urlaub weg gewesen. Ich glaube nicht, dass ich im Moment wollte, dass sich auch hier alles so verändert hat, wie ich mich vielleicht habe. Es ist schön es wie einen ruhenden Pool zu erleben.

Nur eines Fehlt mir: Kay! Aber ich drücke ihm die Daumen, dass er weiterhin die Reise seines Lebens hat und es geniesst. Ich freue mich schon darauf all seinen Geschichten und Erlebnissen zu zuhören und die ganzen Photos von Äthiopien, Sudan, Ägypten und welche Länder er auch immer noch bereisen wird anzuschauen.


27.03.04 - Weiter nach Äthiopien?

Nachdem wir schließlich die XR auslösen konnten, begannen wir unsere Reise durch die nördliche Wüste von Kenia nach Äthiopien am Montag, den 21.03.2004. Die Strecke von Nairobi nach Isiolo, der erste Aufenthalt von dreien auf dem Weg nach Moyale, die Grenze zwischen Kenia und Äthiopien, ist geteert - easy going. Wir hatten Glück eine tolle Aussicht auf den Mount Kenia zu erhaschen - sehr beeindruckend. Er sieht stark aus mit scharfen Kanten und Schneefeldern. Die Straße erreicht eine Höhe von über 2600 Metern über dem Meeresspiegel. Es war ziemlich kalt dort oben. Auf der anderen Seite der Straße geht der Blick über weite Felder bis zu den Ausläufern einiger Hügel. Das ist wirklich ein wunderschöner Teil von Kenia. Als wir Nanyuki erreichten, machten wir natürlich am Schild mit der Aufschrift "Äquator" ein Foto. Dazu bekamen wir eine Unterrichtsstunde von "Peter, the Teacher" (Peter, der Lehrer) über die Richtungen, in die das Wasser in der südlichen und in der nördlichen Hemisphäre und am Äquator fließt. Wenn Ihr jetzt denkt, wir hätten Isiolo ohne Schwierigkeiten erreicht, seid ihr schief gewickelt! Die XR bekamt so was wie Husten. Naja, sie verhielt sich als hätte sie nicht genug Benzin. Vielleicht ist die Düse durch Schlamm oder sonst was verstopft? Es war nur ganz kurz und danach war alles wieder in Ordnung - aber was war das? Als wir Isiolo erreichten, nahmen wir ein Zimmer im Bomen Hotel - ein netter Ort mit einem guten Restaurant. Gegen 9.00 Uhr am nächsten Morgen waren wir bereit, die raue staubige Straße Richtung Marsabit anzugehen. Mit dem Motorrad war alles in Ordnung - wir fuhren mit einer guten Geschwindigkeit. Zweieinhalb Stunden später hatten wir bereits 160 km zurückgelegt. Wir machten kurz Halt in der Laisamis Mission, ehe wir uns an die verbleibenden 100 km heranmachten. Aber nur 20 km später passierte es - der Hinterreifen der XR war platt. Ein riesiger Nagel war der Grund. Da saßen wir nun mitten in der Wüste - heiß, kein Schatten und hatten Angst, weil jeder einem Geschichten über Banditen erzählt, die in dieser Gegend ihr Unwesen treiben. Drei Stunden später hatten wir bereits zweimal versucht, den Platten zu reparieren - ohne Erfolg. Der dritte Lastwagen, der vorbei fuhr, nahm die XR und mich für einen fairen Preis (und nicht für 100 US Dollar) mit nach Marsabit. Ich war einfach nur glücklich, dass wir dort wegkamen. Nach drei Stunden der Sonne und der Hitze schonungslos ausgesetzt, wird es einem schwindlig und man bekommt ein bisschen Angst. Ich war auch sehr froh, Kay wohlbehalten in Marsabit wieder zu sehen. Die Fahrt auf dem Lastwagen, zwischen Seifenkanistern und Säcke voller Mais mit ungefähr 12 Einheimischen war wirklich interessant und hat Spaß gemacht. Wir hatten  den Reifen und alle Schläuche repariert und bereiteten uns darauf vor, am nächsten morgen aufzubrechen. Wir übernachteten im Jey Jey Centre. Eine bis auf die Toiletten recht nette Herberge - Erstere waren in einem Zustand, der mich zum Zweifeln brachte, ob die Benutzung ein Gesundheitsrisiko darstellt. Vielleicht waren es auch nur etwas unglücklich, aber ich habe mir diese Frage während der gesamten Reise bisher nicht stellen müssen. Der nächste Morgen begann mit einem guten Frühstück und um 10 Uhr waren wir wieder unterwegs mit dem Ziel, abends Moyale zu erreichen. Leider kamen wir nur 40 KM aus Marsabit heraus. Ein Sandsturm machte die Weiterfahrt unmöglich. Die Piste war nur sehr schmal, was zu machen gewesen wäre, aber der Wind war so stark, dass wir das Gefühl hatten, jede Sekunde umgeweht zu werden. Meine Arme waren müde, was ebenfalls nicht sehr förderlich für eine sichere Weiterfahrt in dieser Situation war. Wir fanden eine Akade (Baum), welche uns ein wenig Schatten gab. Wir wollten zur Weiterfahrt warten, bis sich der Wind etwas legen würde. So saßen wir da das Gesicht mit Brille und Kleidern bedeckt um uns vor dem Staub zu schützen. Nach einer Stunde wurde es jedoch eher stärker, anstatt dass es nachgelassen hätte. Wir entschlossen uns umzudrehen und es am nächsten Tag noch einmal zu versuchen. Aber das war leider nicht das Ende der Katastrophe. Wir fuhren lediglich etwa 2 Kilometer nachdem die XR wieder "bockte" und damit sicher nicht aufhören würde, bis wir Marsabit wieder erreichen würden. Ihr könnt euch vielleicht vorstellen, wie sich das beim Fahren anfühlte, zeitweise dachte ich auf einem wilden Pferd zu sitzen und die Kontrolle zu verlieren. Aber  irgendwie schafften wir es zurück und dann kam für mich eine große Überraschung, Kay sagte: So das wars! Ich kann diesen Sch.... nicht mehr länger ertragen. Ein Punkt, an welchem ich bereits in Nairobi angelangt war. Nun gings Kay ebenso. Es kamen einfach zu viele Dinge zusammen - bis zu einem gewissen Punkt man kann vieles ertragen. Die nächste Aufgabe war einen Laster zu organisieren, welcher das Motorrad nach Isiolo oder Nairobi bringen würde, um es dort wieder flott zu bekommen. Die Angebote begannen bei 200 Dollar. Nach einigen Stunden enttäuschender Antworten und mit der Hilfe von Duba hatten wir einen Preis von umgerechnet 43 Dollar ausgehandelt für den Transport nach Isiolo am nächsten Morgen - in einem Ziegentransport, welche auf halber Strecke in der Laisamis Mission aufgeladen werden sollten. Gut soweit, anschließend konnten wir zum Übernachten unser Zelt bei der katholischen Missionsstation aufschlagen. Am nächsten Morgen um 6:30 h kam ein weiterer Kerl auf uns zu, welcher und ebenfalls einen Transport anbot, ohne irgendwelche Güter in Laisamis aufzuladen, direkt nach Isiolo. Wir erklärten ihm aber, dass wir bereits eine Vereinbarung mit einem anderen haben, den wir nicht enttäuschen wollen. Um 13:30 fanden wir heraus, dass sich andere Leute einen Dreck um geschlossene Vereinbarungen kümmern - Der Typ kam nicht vorbei, geschweige denn von einer Nachricht hierüber - Er schickte Duba um uns das mitzuteilen. Ich dachte darüber nach, wie blöd ich gewesen bin und wann ich das endlich lernen würde, niemandem zu trauen und egoistischer zu sein. Eine weitere Stunde später war uns klar, dass an diesem, wie auch am folgenden Tag kein Transport mehr fahren würde. Wir kamen zu dem Entschluss, dass die einzigste Möglichkeit von Marsabit wegzukommen die Fahrt mit der "bockenden" XR ist. Wir filterten den ganzen Sprit durch den Tank der KTM in der Hoffnung, dass deren Benzinfilter etwas besser sei als der der XR und wir letztlich sicher nach Isiolo zurück in die Zivilisation kommen würden. Für den Fall, dass es nicht funktionieren würde beschlossen wir die XR stehen zu lassen und eine Transportmöglichkeit von Isiolo aus zu organisieren. Als wir am Packen waren geschah das Wunder und zwei Kenianer John und Ali, welche im Rahmen der Entwicklungshilfe an einem Bildungsprojekt in Marsabit arbeiten, boten uns an die XR in ihren Land Rover zu laden, da sie mitbekommen hatte, dass wir Probleme haben und John am nächsten Tag sowieso nach Isiolo musste. Dieses Angebot war fast zu gut um wahr zu sein, aber Realität. Wir luden das Motorrad noch am gleichen Abend auf, da wir am nächsten Tag bereits um 6 Uhr morgens los wollten. Wir übernachteten wiederum im Jey Jey Center und ich hoffte, dass nicht wieder irgendetwas schief laufen würde bis zum vorgesehen Abfahrtszeitpunkt. Ich wachte einige Zeit früher auf, noch bevor der Wecker klingelte. Abgesehen davon hatte ich eh nicht sehr viel geschlafen in dieser Nacht. Um 6:30 waren wir bereit aufzubrechen. John, Henry der Fahrer, eine weitere Frau und ein Mann sowie ich und die XR. Kay wollte uns bei Tagesanbruch mit der KTM folgen, wir starteten bereits bevor die Sonne aufging. Zwei Stunden später hielten wir bei einer kleinen Siedlung an um einen Tee und Chapati zu trinken. Zu diesem Zeitpunkt hatte Kay uns eingeholt, entschied sich aber weiterzufahren und auf uns in Isiolo zu warten. Keine halbe Stunde später waren wir bereit weiterzufahren und die restlichen 130 km zurückzulegen. Als wir gerade 30 km hinter uns hatten hielt uns ein entgegenkommender Lastwagen an. Der Fahrer teilte uns mit, dass sich in der Gegend Shifta-Banditen herumtreiben würden und wir um drehen sollten. Er sei gerade angegriffen und ausgeraubt worden, Ich dachte, das sei ein böser Scherz, der kaum wahr sein könne, aber Henry drehte um in wieder in Richtung Marsabit. Marsabit hier kommen wir wieder. Glücklicherweise hatte Kay den Truck bereits passiert, als dieser überfallen wurde. Wir kamen nicht ganz zurück bis Marsabit, lediglich bis zu dem kleinen Örtchen in welchem wir gefrühstückt hatten. Leider gab es in der näheren Umgebung keine Polizei, die uns beistehen konnten. Da wir alle dringend nach Isiolo oder Nairobi wollten entschied John es doch zu versuchen und weiterzufahren. Wir drückten alle die Daumen, dass die Banditen mittlerweile genug Geld erbeutet hatten und für diesen Tag zufrieden waren. Üblicherweise würden sie dann abhauen. Der Chef des Distrikts organisierte einige Jungs und einen Lad Rover des Dorfes um uns ein Stück der Strecke zu begleiten. Also gut wir kehrten auf die Strecke zurück mit, wie ihr euch vielleicht denken könnt, gemischten Gefühlen. Wir hatten Glück und am Ende erreichten wir Isiolo sicher und unversehrt. Kay wartete bereits und konnte unsere Geschichte kaum glauben. Er berichtete von einer angenehmen Fahrt, bei der er ab und an für einige Fotos anhielt und nebenbei einem Typen mit einer Kalaschnikow begegnete. Dieser grüßte kurz und fuhr danach weiter. War das vielleicht einer der Banditen gewesen? Was wäre geschehen, falls wir kein ausgedehntes Frühstück gehabt hätten und die ersten auf dieser Wegstrecke gewesen wären? Ich glaube das möchte ich mir lieber nicht vorstellen. Nun hatte ich wirklich genug vom Ärger und vom Abenteuer. An eine Weiterreise kann ich nicht denken - ich möchte schleunigst nach Europa zurück. Kay kämpft noch mit sich was die richtige Entscheidung ist. Nach Reinigung des Vergasers und der Entsorgung des verdreckten Benzins und Reinigung des Benzinfilters lief die XR wieder rund und dem Auspuff entwichen "normal" aussehende Abgase - ein sauberes Verbrennungsbild. Wir fuhren am nächsten Tag weiter nach Nairobi und hatten abermals einen Atemberaubenden Blick auf den Mount Kenia. Wir stiegen in Rangis Campsite ab, was fast wie einem Zuhause ankommen glich. Ich musste leider feststellen, dass das Lenkkopflager der XR einen Schaden hatte. Ich frage mich nur, wann diese Verkettung Unglücken endlich zu Ende ist.


20.03.04 - Besch...eidene Tage in Nairobi

Heute Morgen und gestern Nachmittag waren die bis jetzt nervenaufreibendsten Tage auf diesem Trip. Es begann alles mit der Nachricht, dass der ADAC die Kosten für die Versendung neuer Reifen nach Khartoum nicht übernehmen würde. Wir wollten hier in Nairobi neue kaufen, aber leider gibt es momentan einen Lieferengpass für Motorradreifen, die fürs Reisen geeignet sind. Es gibt annehmbare für Kay, aber für meine XR sind nur Motocrossreifen erhältlich. Das ist nicht wirklich schlecht - aber sie halten nicht sehr lange. Und Reifen von DHL schicken zu lassen - nun, das Büro in Nairobi schätzte die Kosten grob auf 300 US Dollar. Das würde am Ende teurer sein als die Reifen hier - sie kosten übrigens zweimal so viel wie zu Hause und man hat erst nicht das, was man möchte. Wir waren darauf vorbereitet, eine Menge zu bezahlen, weil wir das schon vorher wussten, aber wir hatten den Lieferengpass nicht vorhergesehen. Aber wie auch immer, das alleine wäre noch nicht so schlimm gewesen, wenn nicht noch zwei andere Dinge dazugekommen wären. Wir brachten die XR in eine Werkstatt, die dafür bekannt ist, gut mit Hondas umzugehen ich glaube das auch ohne jeden Zweifel. Aber sie hatten diesen klitzekleinen Unfall mit der speziell angefertigten Cockpitscheibe (Wolfgang hat gesagt, das heißt so) - einer der Arbeiter zerbrach sie. Fantastisch, jetzt wo der Teil unserer Reise beginnt, wobei ich sie wirklich brauchen würde. Um dieses Problem zu lösen, waren wir einverstanden, uns am nächsten Morgen dort zu treffen, um Ideen auszutauschen, wie man die Scheibe am besten fixieren könnte - es gab keine Möglichkeit, sie mit der Ausstattung der Werkstatt auszutauschen. Wir kamen drüber hinweg, aber das nächste Desaster kündigte sich am folgenden Morgen an, als wir das Motorrad mitnehmen wollten. Zum ersten waren sie noch nicht fertig, obwohl sie die Maschine seit dem gestrigen Nachmittag nur reinigen wollten. Das zweite Problem war der verstärkte Seitenständer. Sie haben uns überzeugt, das machen zu lassen, weil die in der Werkstatt die Erfahrung gemacht hatten, dass die Seitenständer dazu neigen, leicht abzubrechen. Wir waren damit einverstanden, einen schmalen Metallstreifen an der Rückseite anzubringen und die kleine Platte am Ende des Ständers ein bisschen zu vergrößern, um auf Sand besseren Halt zu finden. Anstatt des schmalen Metallstreifens haben sie ein ganzes Stück von einem Rohr aus was auch immer um den Ständer geschweißt und am Ende eine 4x6cmx3mm Metallplatte angebracht - Ihr könnt Euch sicher vorstellen, dass
die Platte viel zu schwer war. Aber mein Ständer - einigermaßen in Ordnung und nicht einmal ein Jahr als ist im Arsch!! (Sorry, aber so hat sie es wirklich geschrieben!!) Ich kann einfach nicht glauben, was sie meinem Motorrad angetan haben. Das allerschlimmste dabei ist wieder einmal, dass ich den Arbeitern vertraut habe, sie unterstützen wollte, in dem ich ihnen etwas zu tun gab, das nicht unbedingt notwendig war - und was lernen wir daraus? Man sollte niemandem vertrauen! Das aller-, allerschlimmste an der ganzen Geschichte war aber das Verhalten eines weißen, älteren Mannes. Er überlässt den Arbeitern der Werkstatt einen Teil seines Grundstückes, um darauf zu arbeiten. Er dachte sich die wildesten Lösungen für den Seitenständer aus. Wir versuchten ihm zu erklären, dass wir den Schaden am Motorrad in Grenzen halten wollten und dass es außerdem sehr gefährlich ist, mit einem zu schweren Seitenständer zu fahren. Und immer die schwache Entschuldigung, dass dies halt Afrika sei - nun, Jungs, fragt Ihr Euch wirklich, warum Ihr mit dieser Einstellung nicht weit kommt? Am Ende gab er mir sehr nett zu verstehen, dass ich als weiße, reiche Europäerin nicht verstehen könne, wie es ist, für ein afrikanisches Gehalt zu arbeiten und er nannte mir die Summe, die er im vergangenen Jahr verdient hatte - es war mehr als das doppelte dessen, was ich in den vergangenen Jahren verdient hatte. Dazu kommt noch, dass er derjenige ist, der ein großes Haus und ein Grundstück in Nairobi besitzt, das groß genug ist, mindestens fünf große Häuser darauf zu errichten. Die Diskriminierung ging von diesem Weißen aus - ich erwartete eine solche Situation immer mit einem Menschen mit einer anderen Hautfarbe als meiner. Aber mit denen konnten wir alles auf eine ruhige, unaufgeregte Weise diskutieren, so dass wir am Ende immer alles klären konnten. Aber diese Geschichte erlaubte mir nicht, während unseres Aufenthaltes in Nairobi Energie für den Rest unseres Trips zu tanken. Nein, meine Nerven liegen beinahe blank. Aber wir werden weitermachen, auch wenn ich kurz davor war, einen Flug in die Heimat zu buchen. Wir lassen Euch wissen, wie die Geschichte weitergeht!


16.03.04 - Nairobi

Wenn man Arusha in Richtung Nairobi verlässt, fährt man zunächst über eine Bergkette. Sie war mit intensiv grünem Gras bedeckt und bildete einen tollen Kontrast zum Himmel und der schwarzen Erde. Die Maasai schlenderten in Gruppen umher - wissen die überhaupt, dass Sonntag eine Art Ruhetag ist? Sie waren in ihre knallroten und purpurfarbenen Kleider gehüllt und trugen verschiedene Arten von Schmuck - Ich hoffe, dass sie sich diese Tradition bewahren, es macht sie so einzigartig. Die Straße führt hinunter und die Vegetation wird immer trockener und nimmt ab. Akazien sind die am meisten verbreiteten Bäume. Wir sind wieder in der afrikanischen Savanne. Die Straße ist fast leer, aber das ändert sich, sobald man zu der Kreuzung kommt, die auf die Schnellstraße von Mombassa führt. Ich konnte es nicht glauben - diese Typen in ihren Bussen und Matatas sind verrückt - aber wir haben es überlebt! Wenn man sich Nairobi nähert, beginnt man die Größe und die bevorzugte Lage dieser Stadt zu begreifen. Wir waren tief beeindruckt. Keine der afrikanischen Städte, die wir bisher sahen, Kapstadt ausgenommen, kann es auch nur im Geringsten mit Nairobi aufnehmen. Alles sieht besser unterhalten und auch massiver aus als anderswo. Es gibt jede Menge neuer Luxusautos. Zugleich ist Nairobi aber auch sehr grün. Über die ganze Stadt verteilt findet man jede Menge Parks und auch in den verschiedenen Wohnvierteln machen sich die Menschen eine Menge Mühe einen gepflegten Garten zu haben. Jetzt ist es besonders schön, weil viele Pflanzen blühen. Einkaufszentren, Supermärkte, jede Menge Geschäfte und die Hotels sind riesig! Selbst wenn wir nur durch Südafrika gekommen sind - noch nicht durch Nordafrika - dies ist wirklich tief beeindruckend. Die Menschen, die man im Stadtzentrum herumfahren sieht, sind alle gut und vornehmlich im Cowboy Stil gekleidet. Wir fühlten uns in unseren Reiseklamotten ständig "underdressed". Soviel ich sah, trugen selbst die ärmsten Leute viel bessere Kleidung und Schuhe als in den anderen Hauptstädten in Afrika, durch die wir bisher gefahren sind. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob ich mit den ärmsten Leuten konfrontiert wurde, aber das ist mein bisheriger Eindruck. Und noch etwas anderes war wirklich bemerkenswert - die Menschen sind viel freundlicher und offener als in Tansania.  Das mag daran liegen, dass jeder gut Englisch zu sprechen scheint. Selbst die Frauen der Maasai gleich hinter der Grenze sprachen ein sehr gutes Englisch und nicht nur die "geschäftlichen" Redewendungen - verblüffend! Und wieder einmal erkannten wir - Du überfährst eine Grenze und Du bist in einer komplett anderen Welt.


04. - 08.03.2004 Serengeti / Ngorongoro Krater

Glücklicherweise sind die Preise für eine 4-Tagessafari nicht so teuer wie für den Aufstieg auf den Kilimanjaro. Am selben Tag, als wir uns nach Angeboten umschauten, fanden wir ein sehr gutes. Nachdem wir bezahlt hatten, musste alles sehr schnell gehen, da wir uns einer Gruppe anschließen würden, die früh am Morgen starten würde. Wir gelangten zum Campingplatz der diese Nacht für den Publikumsverkehr geöffnet hatte - eine neue und abenteuerliche Erfahrung für uns. Im Preis ist alles außer alkoholischen Getränken inbegriffen - sie schlagen sogar das Zelt für einen auf. Das war ebenso neu für uns und ich fühlte mich ein bisschen nutzlos, während ich da so herumstand und darauf wartete, dass alles für uns erledigt wurde - aber so funktioniert das hier halt. Am nächsten Tag starteten wir mit einer langen Fahrt durch das Ngorongoro Naturschutzgebiet tiefer in den Serengeti Nationalpark. Nachdem wir die Kraterwand mit unserem Defender erklommen hatten, hatten wir einen ersten Ausblick in den Krater Es ist ein großartiger Anblick. Ich hatte irgendwie die Vorstellung, dass der Grund des Kraters mit Wald bedeckt ist. Aber so ist es in Wahrheit nicht. Es gibt zwar einen Wald, aber der bedeckt nur einen kleinen Teil des Kraters. Der Rest ist offene Savanne, die während der Regenzeit mit Gras bedeckt ist. Die Straße führt die nächsten paar Kilometer am Kraterrand entlang. Immer wieder kann man von da einen Blick in den Krater genießen. Unterwegs trifft man auch auf jede Menge Maasai, die in ihre knallroten und purpurnen Gewänder gehüllt sind. Einige von ihnen tragen wunderschönen aus bevorzugt weißen, blauen, roten und gelben Perlen (?) hergestellten Schmuck.  Die Männer tragen einen aus Eisen hergestellten Reif um den Kopf. Sie sehen wirklich interessant und wunderschön aus. Neben dem Aufpassen auf ihr Vieh, haben sie schon erkannt, dass sie mit den Touristen jede Menge Geld verdienen können. Man darf erst ein Foto von Ihnen machen, nachdem man sie bezahlt hat und für einen Besuch eines Maasai Dorfes verlangen sie 50 US Dollar pro Auto! Wir fanden es ziemlich traurig, dass sie sich für 1 oder 2 US Dollar pro Bild so verkauften - wo ist ihr Stolz geblieben? Je näher man der Serengeti kommt, umso flacher wird die Landschaft. Nur am Horizont kommt der ein oder andere Hügel manchmal zum Vorschein. Sie hatten schon ein bisschen Regen gehabt und das Gras war hoch genug, einen schlafenden Löwen zu bedecken. Es sieht genau so aus, wie man es von einer afrikanischen Savanne erwartet. Vereinzelt wachsen Büsche und Akazienbäume in der weiten Ebene. Hier im Süden sahen wir jede Menge Zebras, Gnus, Thomson- und Grantsgazellen. Wir hatten zuvor noch nie solch große Herden gesehen - wir kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Weiter nördlich im Park wurden die Herden wieder kleiner und Zebras und Gnus konnte man nur noch vereinzelt sehen. Aber insgesamt gesehen hatten wir wirklich Glück. Wir sahen: Löwen, einen Leoparden, Giraffen, Elefanten, verschiedene Gazellen und Antilopen, ein Krokodil, Nilpferde im Wasser und an Land, Büffel, verschiedene Vögel, darunter Riesentrappen, Rotschnabelstörche und natürlich Geier. Nicht zu vergessen die Hyänen, Schakale, Warzenschweine und Herden von Pavianen und Grünen Meerkatzen. Während der Nacht hört man Löwen brüllen und Hyänen lachen. Da es um den Campingplatz keine Zäune gibt, verkneift man es sich, während der Nacht zu oft zur Toilette gehen zu müssen. Ich vergaß beinahe eine weitere exotische Art von Säugetieren - die Japaner. Sie schienen die "verschmutzte Luft" und die extrem gefährlichen Keime  der Serengeti wirklich zu fürchten - andernfalls kann ich mir die Gesichtsmasken über Mund und Nase und die Handschuhe einfach nicht erklären! Das "Simba Camp" im Ngorongoro Krater ist ebenfalls direkt neben dem Rand des Kraters. Normalerweise ist in den Camps nicht viel los, aber als wir dort waren, war die Hölle los, weil uns ein riesiger Elefantenbulle einen Besuch abstattete. Er entschloss sich zu einem Schlückchen aus dem Wassertank und ein bisschen auf dem Campingplatz herumzuschlendern, bis er seinen bevorzugten Baum fand, wo er fraß - ich war einfach sprachlos, als ich ihn vom Eingang unseres Zeltes beobachtete. Das war zur Abwechslung mal was anderes! Unsere Tiersafari im Ngorongoro Krater war einfach fantastisch. Die abschüssige Straße führt durch einen Wald, der aus einer Art von Aloe Vera Bäumen besteht. Als wir durch den Lerai-Wald fuhren, sahen wir jede Menge Elefanten, die alle eine eindrucksvolle Größe aufwiesen. Die offene Ebene war mit Gnus, Zebras und Büffeln auf ihrer Wanderung bedeckt. Wir hatten Glück und sahen 7 Löwen mit 2 Jungtieren, Hyänen, Schakale und Schwarze Nashörner - somit hatten wir die "Big Five" jetzt alle gesehen - wir waren glücklich und unser Führer auch. Der Krater erschien uns wie ein kleines Paradies. Er enthält verschiedene Ökosysteme, die die richtige Umgebung für all diese verschiedenen Tiere ermöglichen. Es ist fantastisch zu sehen, wie die Natur solch ein Gleichgewicht schaffen kann. Diese vier Tage Safari waren wunderschön und wirklich berührend. Wir denken, dass es nicht das letzte Mal war, das wir hier waren - es war einfach zu schön!


04.03.2004 Arusha

Die vergangenen zwei Tage waren etwas hart. Nachdem wir das "Peponi Camp", das zwischen Tanga und Pangani an der Küste von Tansania liegt, verlassen hatten, wollten wir auf unserem Weg nach Moshi die Strecke durch die westlichen Usambara Berge nehmen. Nach einem Blick in die Karte schätzen wir höchstens 50 km für diesen kleinen Umweg. Aber wir sollten es besser kennen lernen! Zunächst einmal wäre eine Karte im Maßstab 1:50000 perfekt gewesen, um einen Weg durch die Berge zu finden. Wenn man die Einheimischen fragt, wie man zum nächsten Dorf, das auf unserer Karte verzeichnet ist, kommt, hilft nicht viel, weil die meisten von ihnen den Weg in einer sehr merkwürdigen Weise erklären. So mussten wir erst mal jemanden finden, der "unsere Sprache sprach". Wenn wir diesen Tag so geplant hätten, wie er schließlich verlief, wäre alles wunderbar gewesen. Aber stattdessen konnten wir die wirklich wunderschöne Landschaft gar nicht genießen, weil wir dachten, dass wir uns verirrt hätten und nirgendwo ankommen würden. Das Fahren war nicht allzu anstrengend, aber diese ganzen kleinen Wege im Wald langweilen dich nach einer Weile. Die schönsten Abschnitte der Strecke hätten wir nicht durchfahren, wenn wir uns nicht verirrt hätten. Wir kreuzten eine Teeplantage, einige Gebiete mit dichtem Wald mit riesigen Bäumen - ich kenne diese Art nicht. Dort oben sah es wie in einer völlig anderen Welt aus. Gegen 16.00 Uhr erreichten wir schließlich Soni. Ein kleines Dorf, das auf unserer Karte verzeichnet war und schätzungsweise 15 km von der Hauptverkehrsstraße nach Moshi entfernt lag. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir bereits über 100 km durch die Usambaras zurückgelegt und hielten zum ersten Mal an, um etwas zu essen. Da wir es in keinem Fall mehr bis Moshi geschafft hätten, erklommen wir den Berg nach Lushoto. Eine kleine Stadt, zu der eine Asphaltstraße führt, weil einer von Tansanias Premierministern dort wohnt. Einer unserer Reiseführer beschreibt die "Irente Farm" als angenehmer Ort für einen Aufenthalt. Dieser Farm zu finden, entwickelte sich zur zweiten Mission dieses Tages. Ich werde jetzt keine weiteren Details preisgeben, aber Kay sagte, als wir endlich dort angekommen waren, er sei physisch und psychisch am Ende seiner Kräfte. Genauso fühlte ich mich auch. Die Farm hatte einen schönen Platz für unser Zelt unter einem Dach. Die Duschen waren kalt, aber das war uns egal. Sobald die Sonne untergegangen war, kühlte es ziemlich ab - angenehme Temperatur um zu Schlafen. Die Talfahrt zur Hauptverbindungsstraße nach Moshi ist wunderschön. Für Motorradfahrer ist es himmlisch - eine Kurve nach der anderen. Wenn man auf einem Super-Motorrad sitzt, macht es sogar noch mehr Spaß! Man sieht Dörfer weit oben am Berg und man erkennt, was die Leute für einen Aufwand betreiben müssen, um Dinge dorthin zu transportieren. Alles zu Fuß - keine Straße zu sehen und die Einheimischen hier halten keine Maultiere. Als ich die steilen Fußpfade überall an den Bergen sah, fragte ich mich, wie oft die Einheimischen wohl ihre Dörfer verlassen. Aber wie ich schon sagte - ein wunderschönes Tal! Wir erreichten Moshi ohne irgendwelche Probleme. Geschätzte 80 km ehe wir dort waren, sahen wir die einen Teil der Spitze des Kilimanjaros zum ersten Mal. Der Rest war in Wolken gehüllt. Als ich erkannte, dass es der Kilimanjaro war, klopfte mein Herz wie verrückt - könnt Ihr es Euch vorstellen? Immer wieder verschwanden diese kleinen Ausblicke auf die Spitze hinter den Wolken, aber jetzt wussten wir, er ist da und er ist so hoch wie die Wolken. Kurz nach diesen unbeschreiblichen Glückgefühlen, die der Anblick des Kilimanjaros in uns auslöste, erlebten wir einen der härtesten Rückschläge unserer Reise. Wir buchten keinen Aufstieg auf den Kili. Wir fanden heraus, dass ein 6-Tagestrip mit einer Gesellschaft rund 900 US Dollar pro Person kosten würde. Der größte Anteil an diesem Betrag ist für die horrend teuren Parkgebühren.  Ein 5-Tagesausflug käme auf 800 US Dollar pro Person. Wir hatten die Information 500 US Dollar pro Person - aber die tatsächlichen Preise waren beträchtlich höher. Nun, wir mussten unsere Pläne überdenken - wir sind nicht Rockefeller und wir wollen noch einige andere Dinge auf unsere Reise besichtigen. Ich denke, dass ich nicht beschreiben muss, wie traurig wir waren! Später am Tag gelangten wir nach Arusha, wo wir unser Zelt im "Masai Camp" aufschlugen. Um unsere Enttäuschung auszugleichen, gönnten wir uns ein leckeres Steak im Restaurant des Campingplatzes.


24.2.2004 - 26.2.2004 Die Insel Sansibar

Da wir dachten, dass wir vermutlich nicht noch mal hierher kommen würden, um Sansibar zu besichtigen, entschieden wir uns, dort zwei Tage zu verbringen. Lynne nahm uns mit zum Fährhafen von Dar Es Salaam. Das Schiff lief um 7.30 Uhr aus und gute zwei Stunden später betritt man die Insel im Hafen von Sansibar. Sansibar besteht auf seiner Unabhängigkeit von Tansania. Deshalb muss man das Einwanderungsverfahren über sich ergehen lassen, sobald man dorthin kommt. Sobald man das hinter sich gebracht hat, wird man von Taxifahrern, Reiseveranstaltern und Besitzern von Gästehäusern umringt. Wir schafften es, sie bis auf einen loszuwerden. Er folgte uns, bis wir uns hinsetzten und beteuerten, eine Weile zu rasten. Aber es brauchte schon ein ernstes Gespräch: Bitte lassen Sie uns jetzt in Ruhe, wir werden keine ihrer Dienste in Anspruch nehmen, um schließlich in Ruhe gelassen zu werden. Wir kamen gerade in Stone Town an, als es zu regnen begann. Zum Glück fanden wir einen trockenen Flecken, wo wir uns hinsetzten und warteten, bis der Regen nicht mehr so heftig war. Nachdem wir weitere fünf Minuten gelaufen waren, erkannte ich, dass sich ein Fremder in Stone Town einfach verlaufen muss. Kay fragte einen Mann, der neben uns stand, nach dem Weg. Er war so etwas wie ein "offizieller" Reiseleiter. Er bat nicht um Geld, sondern beteuerte, dass er von der Regierung bezahlt würde. Und vielleicht noch von den Gästehäusern, sobald wir uns eingeschrieben hätten. Wie dem auch sei, er war wirklich hilfsbereit und zeigte uns verschiedene Orte, bis wir zufrieden waren und uns schließlich im "Heaven Guest House" eintrugen.  Kay buchte außerdem eine "Spice Tour" (Gewürztour - Anmerkung der Übersetzerin) bei ihm für den nächsten Tag. Nachdem wir unser Gepäck losgeworden waren, starteten wir eine Erkundungstour über den Markt und durch die Geschäfte. Der Markt ließ uns staunen. Ich weiß, dass es für die Einheimischen normal ist, aber für uns - phantastisch. Die Vielfalt an Fisch und Meeresfrüchten ist überwältigend. Der Fleischmarkt war etwas derb. Um das Vertrauen der Kunden zu erlangen, hängen die Metzger den Kopf des geschlachteten Tieres zum restlichen Körper, der, um in Stücke zerteilt und verkauft zu werden, aufgehängt wird. Da Sansibar eine muslimisch geprägte Insel ist, findet man aus nahe liegenden Gründen kein Schweinefleisch, aber jede Menge Rind- und Ziegenfleisch. Wenn man so herumschlendert, kann man angesichts der Obst- und Gemüsestände einfach nicht widerstehen und muss etwas kaufen. Die Kombination der Farben, der Produkte und selbst der Gewürze führen einen wirklich in Versuchung, mehr zu kaufen als man auf einmal essen kann oder als man wirklich benötigt. Da Kay`s Hosen durch den heimtückischen Angriff eines Barhockers in der letzten Unterkunft in der wir waren kaputt gegangen sind, wollten wir eine neue Zipp-Hose für ihn kaufen. Wir verbrachten bereits in Dar Es Salaam einen halben Tag mit der Suche nach solchen Hosen. Aber selbst unter den Fittichen von Lynne, die alle Geheimtipps kennt und weiß, wie man in Dar Dinge organisiert, waren wir nicht erfolgreich. Kaum zu glauben, diese Art Hosen gibt es auf Sansibar in allen Farben und Stilrichtungen; sie werden "Pentagons" genannt. Kay ist nun stolzer Besitzer einer "Diesel -Hose" für 6.500,- TS - umgerechnet 6 US Dollar. Wir dachten uns, dass es sich lohnt sie zu kaufen, obwohl die alte in Dar geflickt wurde. Nach unserer erfolgreichen Einkaufstour gönnten wir uns einen Kaffee - einen richtigen gewürzten Kaffe - sehr gut! Wir waren beide der Meinung, dass Stone Town ein lebendiger, andersartiger, farbenfroher und interessanter Ort ist, den es zu entdecken gilt. An diesem Abend besuchten wir eine Tanzveranstaltung einiger Einheimischer. Der erste Tanz war interessant, aber danach änderten sich die Bewegungen nicht groß. Als die Tänzer einen Geldsammelrundgang begannen und ziemlich lästig wurden, waren wir nicht die ersten, die gingen, ehe die Vorstellung zu Ende war. Kay war hungrig und wir gingen zu "Forodoris Garden". Dort gibt es jeden Abend einen Open-Air "food market" (Stände mit vielen verschiedenen Speisen und einem großen Sitzbereich, so dass für jeden Geschmack etwas dabei ist). Es gibt eine große Auswahl an Speisen zur Auswahl. Meistens auf einem Grill zubereitet und dann mit Pommes oder dem örtlichen Chipati (eine Art salziger Pfannkuchen) serviert. Es gibt Rindfleisch, Thunfisch, jede Menge anderer Fisch, Oktopus,  Muscheln, Krabben und Hummer - alles zu sehr annehmbaren Preisen. Die Pizza auf Sansibar ist eine Art Omelette. Ich hab es nicht probiert, deshalb kann ich nicht sagen, wie es schmeckt. Kay genoss das Essen und sein Bäuchlein war am nächsten Tag auch in Ordnung. Die "Spice Tour" ist eine Veranstaltung für Touristen, aber wir haben sie dennoch genossen und eine Menge gelernt. Ich kann mich schon gar nicht mehr an alle Gewürze und Obstsorten erinnern, die wir gesehen und erklärt bekommen haben - vielleicht wenn ich irgendwann mal etwas über die exotischsten lese. Der Tag endete mit einer Stunde am Strand - der schönste Strand, den Kay und ich jemals gesehen haben. Weißer Sand, blaues Wasser, Palmen und einem einheimischen "Dhow" (sorry, aber hierzu konnte ich beim besten Willen keine Übersetzung finden, aber so, wie ich Heidi und Kay kenne, könnte es sich um ein Bier handeln ;-)) in der hellen Nachmittagssonne. Es wäre perfekt gewesen, wenn wir alleine gewesen wären. Wir betrachteten den Sonnenuntergang, während wir einen Cocktail an der Bar des "African House" tranken. Wenn man ein Bild dieses Sonnenunterganges sehen würde, würde man es kitschig finden. Aber in echt es er soooooo wunder-, wunderschön. Da unsere Fähre nur um 13.00 Uhr die Insel verlässt, wollten wir den Vormittag des nächsten Tages damit verbringen, einige historische Stätten zu besichtigen. Wir kamen jedoch nicht weit! Kay mochte die kleinen Weißbrote, die man in Stone Town in Sansibar oft bekommt. Als wir an einem Geschäft vorbeikamen, das diese Sorte anbot, wollten wir zwei kaufen. Aber wieder einmal hatten wir das Problem, kein Wechselgeld zu haben und die Inhaber der Geschäfte haben sowieso nie welches. Ein junger Mann, der vorgab, zu dem Geschäft zu gehören, "half" uns, was dazu führte, dass er mit 5.000,- TS verschwand, die einmal uns gehört hatten - jetzt jedoch offensichtlich ihm! Aber wir bekamen Hilfe und eine über zwei Stunden dauernde Mission mit uns, drei Polizisten, dem Vater des Diebes und einem Zeugen begann. Wir liefen zur Polizeiwache,  mehrere Male zum Haus des Vaters, zu seiner Arbeitstelle und am Ende kannte jeder die zwei "Wazungus" (Weiße), die mit der Polizei in Stone Town herumrannten. Aber - wir erhielten unser Geld zurück, und zwar vom Vater des Diebes. Da wir bei der Polizei Anzeige erstattet hatten und sie den "Fall" bearbeiteten, befürchtete er seinen drogenabhängigen Sohn bald im Gefängnis zu finden. Als er uns die 5.000,- TS aushändigte, bot die Polizei an, den Vorfall zu vergessen - aha,  so funktioniert das also. Ich frage mich noch immer, ob ich mich über diese Handhabe aufregen soll oder nicht - aber zumindest haben wir unser Geld zurück. Als wir auf die Fähre gingen, hatten wir zwar nicht die Geschichtsstunde bekommen, die wir wollten, aber eine Geschichte mitten aus dem Leben in Stone Town - auch nicht so schlecht! Als wir auf unseren Weg zum Hafen an der Polizeiwache vorbeikamen, grüßten alle Polizisten sehr freundlich - ich frage mich nur warum?!? Jetzt sind wir in Tanga und verbringen die letzten zwei Tage mit unserem Freund George und seiner Familie. Am Dienstag werden wir nach Arusha fahren, um unseren Aufstieg zum Kilimanjaro zu organisieren.


22.02.2004 Dar Es Salaam

Der Grenzübertritt nach Tansania war wieder völlig problemlos. Viele Typen boten direkt an der Grenze an, Geld umzutauchen. Obwohl es offiziell illegal ist, scheinen sich weder die Polizisten noch die Zollbeamten darum zu scheren und es ist ziemlich gebräuchlich, Geld auf diese Art umzutauschen. Bisher bedrängten sie uns auch nicht wirklich.  Sie fragten nur und wenn man sagte, dass man nicht interessiert ist, ließen sie einen in Ruhe. Die Typen an der Grenze von Malawi nach Tansania waren anders. Sie sprangen fast auf`s Motorrad und hielten Dich fest, während sie ihre Umtauschkurse riefen. An einem Abschnitt ertrug ich es allerdings nicht länger. Ich schrie zurück, dass ich kein Geld hätte und dass sie mich in Ruhe lassen sollten. Ich gab Gas und hoffte einfach, dass ich sie so loswerden würde, ohne jemanden zu verletzen.  Wieder einmal entdeckten wir große Unterschiede zwischen den zwei Ländern. Ich kann immer noch nicht wirklich verstehen, dass ein Strich auf der Landkarte und zwei Gebäude mit zwei Schranken Menschen so unterschiedlich sein und handeln lässt, obwohl sie nur einige hundert Meter voneinander entfernt sind. Die Häuser in Tansania sind viel größer, haben Fenster mit Holzrahmen und viele haben sogar Dachziegel.  Die Menschen sehen beschäftigt aus - besonders im ersten Abschnitt zwischen der Grenze und Mbeya.  Landwirtschaft wird in viel größerem Maßstab betrieben als wir es bisher sahen. Wenn man die Felder betrachtet, kann man sich vorstellen, dass sie mehr Ertrag abwerfen als die Einheimischen in der Gegend benötigen. Sobald die Straße in Richtung Berge (Kipengere Ranges), zwischen Matema und Mbeya ansteigt, steigt die Anzahl von Bananenstauden kontinuierlich an. Sie werden so hoch wie die Häuser. Daneben erblickt man riesige Teeplantagen. Es sieht wirklich wie auf diesen Bildern in Reiseführern oder Reisemagazinen aus.  Frauen, in ihre farbenfrohen Sarongs gehüllt, tragen Körbe und manchmal sogar zusätzlich noch ein Kind, während sie in den Teefeldern stehen und die Blätter pflücken. Alles sieht tief grün und fruchtbar aus. Es ist wunderschön. Die Straße schraubt sich einen Pass hoch, dessen höchste Stelle schätzungsweise 2300 m über dem Meeresspiegel liegt. Da es nieselte, als wir dort ankamen, könnt Ihr Euch sicher vorstellen, dass es nicht mehr allzu warm war. Ich denke, dass ausschließlich die Nähe zum Äquator Schneefall auf dieser Höhe verhindert. Ich würde sagen, dass dieser Straßenabschnitt und die 50 km vor Mikumi (von Iringa kommend) die schönsten Strecken waren, die wir bislang gefahren sind. Wenn wir schon über Mikumi reden: Wir können von Glück sagen, dass die Hauptstraße nach Dar El Salaam durch den Nationalpark führt. Das gab uns nämlich die Gelegenheit, eine Safari auf unseren Motorrädern zu machen. Wir kamen morgens, ungefähr um 7.30 Uhr, zum Parkeingang. Sogar die verrückten Buss- und Lastwagenfahrer aus Tansania fahren mit einer vernünftigen Geschwindigkeit durch den Park. Da wir jede Menge Tiere sahen, denke ich, dass sie sich an die Straße und den Verkehr gewöhnt haben - wir hätten das niemals erwartet.  Wir sahen mehrere Herden von Impalas, Zebras, Elefanten, Giraffen und Warzenschweinen gleich neben der Straße. Das war wirklich beindruckend. Aber der absolute Höhepunkt war, dass eine Löwin direkt vor uns auf der Straße lief - unglaublich, aber es war tatsächlich so. Nach den zwei Stunden Fahrt durch Mikumi fragten wir uns auch nicht länger, ob wir nicht etwas verpasst hatten, weil wir den Ruaha Nationalpark nicht besucht hatten. Ich denke, dass ich niemals wieder so viele Tiere so nah an meinem Motorrad sehen werde. Auf unserem Weg nach Dar fuhren wir kilometerweit im Regen. Es war das erste Mal auf unserer Reise, dass wir den Wasserpegel in unseren Motorradstiefeln steigen fühlten. Aber da uns Lynne und Luiz, die Eigentümer unserer Wohnung in Stellenbosch, ein herzliches Willkommen bereiteten und außerdem ein Zimmer, um in ihrem Haus zu bleiben, waren der Regen und die feuchten Stiefel nach kurzer Zeit vergessen. Dafür vielen Dank an Lynne und Luiz! Nach fünf Wochen auf der Straße fühlte es sich ein bisschen wie heimkommen an - ein sehr angenehmes Gefühl. Kay und ich müssen uns nun entscheiden, was wir als nächstes machen werden - Sansibar,  Kilimanjaro, Serengeti? Ihr werdet es sicher erfahren. Übrigens: momentan regnet es draußen wieder. Ich kann gar nicht beschreiben, wie glücklich ich bin, dass wir momentan bei den Correias bleiben können und bei diesem Wetter nicht in unserem Zelt sein müssen.


22.02.2004 Zusammenfassung von Malawi

Das war Malawi für uns:

Leute: sehr freundlich, grüßen allerdings nicht so viel wie zuvor, wenn man auf den Straßen vorbei fährt. Jeder entlang des Sees scheint so was wie ein Geschäft zu haben, das irgendwie mit Tourismus zu tun hat - deshalb nehmen sie überall Kontakt auf, aber es wird nicht so gut English gesprochen wie in Sambia. Sehr hohe Bevölkerungsdichte; Leute sind einfach überall

Landschaft: jede Menge Bergketten, die dicht bewachsen sind. Der See ist umwerfend, die Strände klasse und werden im Norden sauber gehalten. Beindruckende Berge. Landwirtschaft wird sogar an Steilhängen betrieben

Straßen: Hauptverbindungsstraßen und die Straßen entlang des Sees sind in einem sehr guten Zustand. Off-road Strecken variieren zwischen gut erhalten und total vergessen worden und nur von Fahrrädern von Chitimba nach Livinstonia Mission benutzt: sehr rau, jede Menge Steine, nur geeignet für Fahrzeuge mit Allradantrieb und Motorräder.

Lebensmittel: Lilongwe hat mindestens zwei Einkaufszentren dicht nebeneinander, wo man alles bekommen kann. Märkte in den Dörfern und Städten haben alles vorrätig und Obst und Gemüse, das man entlang der Straße kaufen kann, sind sehr gut

Unterkünfte: viele mit unterschiedlichen Ausstattungen entlang des Seeufers; einige bevorzugen Lastwagen und als Individualreisender fühlt man sich wenig willkommen

Klima: eher heiß, aber nicht zu feucht. Morgens heftige Regenfälle, während wir dort waren.


16.02.2004 Moyaka Village; von Lusaka nach Nkahata Bay

Lusaka ist sonntags ein sehr ruhiger Ort. Aber sobald der Montag Morgen heraufdämmert, verwandelt es sich in einen geschäftigen, quirligen Ort. Wir fühlten uns sehr wohl. Es erweckte den Eindruck sehr gut organisiert, sauber und sicher zu sein. Die einheimischen Frauen hatten keine Angst ihren Schmuck in den Hauptstraßen von Lusaka zu zeigen.  Wenn ihr jemals hierher kommt, solltet ihr euch ein Brot und einige Süßigkeiten im "Le Pattiserie" oder im "Sweet D'Or", beide in der Cairo Road, gönnen.  Der Kaffee,  den sie dort servieren, ist auch sehr lecker. Das Baguette ist fast so gut wie in Frankreich - sagte Kay.  Der Abschnitt von Lusaka nach Chipata, die Grenze zu Malawi, ist landschaftlich sehr reizvoll und ungemein schön. Die Strecke verläuft kurvig hoch und runter. Wir denken, dass sie eindeutig von einem Motorradfahrer geplant wurde - die Kurven haben genau den richtigen Radius.  Man fährt an allen Ortschaften vorbei.  Immer wieder kommt man an Flecken mit Bananenstauden vorbei. Diese Bananen, die man entlang der Straße kaufen kann, sich einfach lecker - obgleich eine ein bisschen zu wenig ist und zwei genau richtig sind. Es hat richtig Spaß gemacht, dieses Stück von Sambia zu durchfahren. Der Grenzübertritt nach Malawi ging schnell und problemlos. Wir erreichten Lilongwe schon zur Mittagszeit.  Nach der Grenze änderte sich der Hausbau im Vergleich zu Sambia.  Sie bauen Häuser aus Stein. Die Ziegel werden an dem Platz hergestellt, an dem vorgesehen ist, das Haus zu bauen. Einige haben ein reetgedecktes Dach, einige eins aus Wellblech, einige haben Dachziegel. Die Malawianer scheinen emsige Landwirte zu sein. Jeder Fleck entlang der Straße und um die Dörfer wird genutzt, um Mais, Tabak oder andere Dinge anzupflanzen.  Das Hauptverkehrsmittel scheint das Fahrrad zu sein, genau wie in Sambia.  Sie sind ein bisschen fortschrittlicher - der Gepäckträger als Sitz für den hinteren Fahrgast ist mit einem Stück Schaumstoff gepolstert - es sieht ziemlich komfortabel aus für den Gepäckträger eines Fahrrades. Etwas, was man auch sofort bemerkt, ist die viel höhere Bevölkerungsdichte. Sie haben 1/7 der Größe von Sambia, aber die gleiche Bevölkerungsanzahl. Die Menschen sind einfach überall und auch entlang der Straße.  Das verlangsamt natürlich die durchschnittliche Reisegeschwindigkeit - aber es ist ohnehin ratsam, höchstens 80 km/h zu fahren.  Wenn man der Meinung ist, dass Sambia wunderschön ist, so wie wir, setzt Malawi noch eins drauf. Manchmal waren die Ausblicke, die wir auf unserer Fahrt von Lilongwe nach Senga Bay hatten, einfach atemberaubend. Und dann der Malawi See - bezaubernd, was kann ich mehr sagen! Wenn man das Wasser betrachtet, kann man nicht glauben, dass es so etwas wie Bilharziose birgt. Der See hat eine überwältigende blaue Farbe und die Strände sind wirklich erste Sahne. Leider scheint uns die Regenzeit überholt zu haben oder andersherum. Nach zwei sonnigen und erholsamen Tagen in Senga Bay hat es zu regnen begonnen. Jeden Morgen um 4 Uhr kommt ein Sturm auf und es beginnt zu regnen. Bis jetzt hat es sich immer während des Morgens beruhigt und dann kommt die Sonne durch und es scheint Dir unvorstellbar, dass es hier jemals geregnet hat. Wir werden Euch wissen lassen, wie sich das mit dem Wetter weiter nördlich entwickelt. Im Moment sind wir in Mayoka Village bei Nkhata Bay. Das ist ein wunderschöner Ort. Sehr entspannt und ein bisschen was von "Hippie-Feeling". Die Hütten sind sehr nett und kosten nur 7 Euro (900 Mkw) pro Nacht für zwei Personen, zum Umrechnungskurs, den wir erhielten. Heute werden wir hier bleiben und dann weiter nördlich zur Mission von Livingstone fahren, ehe wir die Grenze nach Tansania überqueren.


16.02.2004 Zusammenfassung von Sambia

Das war Sambia für uns:

Menschen: im allgemeinen freundlich. In Lusaka und Livingstone Händler, die unerwartet gutes Englisch sprachen

Landschaft: schöne Bergketten, tolle Aussicht; sehr grün und fruchtbar, blühende Bäume und Büsche

Straßen: interessante und gute Straßen außer 80 km hinter Petauke in Richtung Chipata. Die südliche Hauptverbindungsstraße  ist in durchschnittlich gutem Zustand; kein Vieh entlang der Straße, aber jede Menge Menschen, das Hauptverkehrsmittel ist das Fahrrad

Lebensmittel: Einkaufsmöglichkeiten in den wichtigen Dörfern und Städten; Straßenmärkte bieten alle Grundnahrungsmittel: Brot, Tomaten, Zwiebeln, Eier,  Obst usw.

Campingplätze: sehr nett und sauber; etwa 5 US Dollar pro Person und Nacht; entlang der südlichen Hauptverbindungsstraße in ausreichender Anzahl vorhanden

Klima: heiß am Tag, es kühlt in der Nacht angenehm ab


06.02.2004 Livingstone, Sambia

Livingstone ist eine Kleinstadt, die alles bietet, was der Reisende benötigt. Wir entschieden uns für die Maramba Logde, um dort zwei Nächte zu verbringen. Die Victoria-Wasserfälle sind einfach atemberaubend. Nachdem ich einige Reiseführer gelesen hatte, dachte ich, dass es ein furchtbar von Touristen überlaufener Ort sei, was mich ziemlich abgestoßen hätte. Aber so war es überhaupt nicht. Die zwei Hotels, die bei den Wasserfällen angelegt wurden, kann man von der Straße, die zum Nationalpark führt, kaum sehen. Und im Park selbst fallen sie einem überhaupt nicht auf.  Die Wassermenge im Zambesi war ausreichend, um einige schöne Eindrücke dieses natürlichen Kunstwerkes zu erhalten.Wenn man den Wanderweg der östlichen Wasserfälle geht, hat man mehrere überwältigende Ausblicke. Das einzige, was Kay davon abhalten konnte, ununterbrochen Fotos zu schießen, war die Gischt, die aus der Schlucht aufstieg. Man wird ziemlich eingeweicht, wenn man den ganzen Wanderweg geht, aber uns war das egal. Die Aussicht ist einfach zu grandios, als dass man, um auch nur eine Stelle zu verpassen, nicht in Kauf nimmt, patschnass zu werden. Die Fauna ist genauso überwältigend. Das Grass wächst hoch, dick und in einem intensiven grün. Dazwischen findet man verschiedene blühende Pflanzen in gelb, violett und orange. Mittlerweile sind es 10 US Dollar pro Person, um dieses Naturereignis sehen zu können, aber ich denke, dass es das wert ist und vorher verdiente Zimbabwe daran. Darüber hinaus hatten wir zusätzliches Glück, weil wir eine zweite Aussicht auf die Wasserfälle genießen konnten. Da es Vollmond war, wurde uns geraten, noch mal bei Nacht hinzugehen. Ich hätte es nicht geglaubt,  wenn ich es nicht mit meinen eigenen Augen gesehen hätte. Da kommt ein Regenbogen zum Vorschein, erzeugt durch das Licht des Vollmondes. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass so etwas möglich sein kann. Also plant Eure Reise nach dem Mondstand! Ich würde sagen, dass das eindeutig eines der Highlights unserer Reise war! Was können wir bis jetzt über Sambia sagen? Unmittelbar nach dem Grenzübertritt erkennt man, dass meisten Menschen sehr arm sind. Das Leben scheint sehr viel traditioneller zu sein, als in den Ländern, in denen wir zuvor waren.  Während wir auf die Fähre über den Zambesi warteten, hatten wir Zeit, die Einheimischen zu beobachten. Kinder badeten im Fluss, Autos wurden im Fluss gewaschen, Frauen kamen mit Kanistern, um Wasser zu schöpfen und diese auf ihren Köpfen heimzutragen. Das Gleiche sahen wir bei Teenagern - Mädchen und Jungs. Übrigens trinken die Einheimischen direkt aus dem Fluss - keine Aufbereitung, nichts. Ich bin nicht wirklich tapfer genug, um das selbst auszuprobieren! Es gab eine Menge Fußgänger auf der Fähre über den Zambesi, aber kaum ein Fahrzeug. Die Sambias (Sambas?Sambaianer? - keine Ahnung, wie die Einheimischen genannt werden) versuchen dir alles Mögliche anzudrehen und du hast keine Chance, ihnen zu entkommen - sie sind einfach überall,  wo Du anhältst. Das kann nach einer Weile lästig werden, aber es ist ihre Art Geschäfte zu machen. Die Straßen wurden uns als wirklich schlecht beschrieben. Aber von der Ansammlung von Schlaglöchern ist nichts übrig geblieben. Zwischen Shesheke und Livingstone sind noch 20 km, die darauf warten, fertig gestellt zu werden. Den ganzen Weg nach Lusaka ist die Straße sehr gut. Glücklicherweise sind die Straßen Sambias interessanter als die Botswanas. Es gibt Kurven, Abfahrten und Anstiege. Es gibt kein Vieh entlang der Straße, aber viele Leute. Ihr bevorzugtes Transportmittel ist das Fahrrad. Die Landschaft ist grün und Bäume werden viel größer als in Botswana. Alles in allem, bis jetzt finden wir es wunderschön!


04.02.2004 Zusammenfassung von Botswana

Das war Botswana für uns:
 
Leute: anfänglich ein bisschen skeptisch und eher nicht sehr gesprächig; wenn man allerdings erst mal begonnen hat, sich mit ihnen zu unterhalten, sind sie sehr freundlich, hilfsbereit und was auch verwunderlich ist, jeder spricht gut English - ihr Bildungssystem scheint gut zu sein. Sie haben ein sehr offenes und strahlendes Lächeln. Selbst die ärmsten Leute oder Kinder bettelten nicht; wir wurden nicht ein einziges Mal um Geld oder Essen angebettelt.

Landschaft: flache Büsche, von sehr dicht bis zu eher kahl, weitläufige Salzpfannen sind einfach erstaunlich, Bäume wachsen höher je näher man sich den nördlichen "männlichen" Tsodilo Bergen nähert. Die sind übrigens der höchste Punkt mit 1390 m, während das sonstige Land ungefähr 1000 m über dem Meeresspiegel liegt.

Straßen: 95 % Teerstraßen, die in sehr gutem Zustand sind, alle Hauptverbindungsstraßen sind geteert, nur in den Parks und den Salzpfannen offroad - tiefe sandige Passagen immer inbegriffen

Lebensmittel: in den wichtigsten Städten ist alles erhältlich, kleinere Läden führen einen vernünftigen Bestand, allerdings ziemlich teuer, weil alles aus Südafrika importiert wird.

Campingplätze: wir bezahlten maximal 40 Pula ( 8 Euro) für eine Nacht und Person, alle hatten heiße Duschen und gute sanitäre Einrichtungen

Klima: sehr heiß im Sommer, wir hatten wenig Regen, manchmal hohe Luftfeuchtigkeit


04.02.2004 Katima Mulilo

Wir haben unser Budget nicht überzogen, da wir keinen Mokoro Ausflug buchten. Leider war der Wasserstand immer noch so niedrig, dass ein solcher Ausflug in Maun nicht gestartet werden konnte. Man wird zunächst zwei Stunden in das Delta gefahren und dort für den Ausflug ausgeladen. Leute erzählten uns, dass die Bedingungen weiter im Norden schon sehr viel besser seien. Da wir ohnehin dorthin wollten, überlegten wir uns, den Mokoro Ausflug später zu machen. Aber wir konnten nicht widerstehen einen Flug über das Delta zu buchen, um eine Vorstellung von der Landschaft und der Tierwelt dort zu bekommen. Kay genoss den Flug sehr und sah mehr Tiere als er erwartet hatte. Jetzt werdet Ihr Euch sicher fragen: Was war mit Heidi? Nun, ich schaffte es einige Elefanten, Nilpferde, Zebras und Büffel zu sehen, aber nur für eine Sekunde.  Die meiste Zeit dieser Stunde, die unser Flug dauerte, war ich damit beschäftigt, mich zu übergeben. Der Pilot sagte, dass ich dort oben den Rekord gebrochen hätte. Es scheint, als sei mein Magen nicht für Flüge unter 500 Fuß geschaffen. Ich bekam eine ungefähre Vorstellung, was dort unten im Delta kreucht und fleucht, aber hauptsächlich erinnere ich mich an diese weißen Papiertüten, in die man schaut, wenn man sich... Der Eigentümer der Nguma Lodge im Nordwesten des Deltas wollte uns auch nicht zu einem Mokoro Ausflug mitnehmen - der Wasserstand war einfach zu niedrig. Der Fluss floss schon kräftig ins Delta, aber um einen ausreichend hohen Wasserstand für einen Ausflug zu haben, hätte es weitere vier oder fünf Tage gedauert - so zumindest seine Einschätzung. O.k., wir beschlossen eines Tages nach Botswana zurückzukommen, wenn wir erwachsen sind und reich genug, um in einer der Lodges im Delta zu logieren - ich hab mich nur gefragt, wann das wohl sein wird? Die Tsodilo Berge sind ein großartiger Ort im ansonsten flachen Botswana. Vom Gipfel des weiblichen (Hügels ?) kann man die flache Kalahari bis zum Horizont überblicken. Wir verbrachten eine Nacht auf dem Campingplatz dort und erlebten unser erstes Gewitter.  Es hat nicht wirklich viel geregnet, aber es hat die heiße Luft angenehm abgekühlt und verhalf uns so zu einem erholsamen Schlaf - einmal nicht Schwitzen zur Abwechslung. Caprivi Strip zeigte uns dann seine ziemlich langweilige Seite. Schilder in einem ungefähren Abstand von 20 km warnten uns, nach Elefanten Ausschau zu halten.  Aber um die Mittagszeit wissen auch die Elefanten wo die schattigen Stellen sind - eindeutig nicht in der Nähe der Teerstraße mehr oder weniger direkt nach Katima Mulilo. Zumindest waren ein paar kleinere Tiere um uns - tausende von Schmetterlingen. Schon während der vergangenen zwei Tage fuhren wir durch ganze Kolonien von Schmetterlingen - kleine gelbe, größere hellgelbe, weiße und rotbraune. Wirklich wunderschön, aber auch traurig, weil einige durch unsere Motorräder, Helme, Kühlergrills usw. dran glauben mussten. Auf unserem kleinen Umweg - die unbefestigte Straße nach Katima - war es beinahe still - abgesehen von einer Affenherde, die die Straße genau vor uns überquerte. Jetzt sitze ich am Ufer des Zambesi auf dem Campingplatz der Zambesi Logde in Katima. Während ich diesen Tagebucheintrag schreibe, bläst ein Nilpferd ab und zu Wasser durch seine Nase. Für mich ist es nach wie vor ein bisschen unwirklich, dass diese Tiere da sind - ständig!


30.01.2004 Maun, Botswana

 Im City Camp in Gaborone trafen wir Edmund, einen Kanadier, der seit zwei Jahren als Umweltberater in Serowe lebt. Er bot uns eine Safari im Nashorn-Schutzgebiete von Khama an, wenn wir nach Serowe kommen würden. Das hörte sich nach einer ausgezeichneten Gelegenheit an, so dass wir unsere Route änderten und uns über Molepolole und Shoshong auf den Weg nach Serowe machten. Die Landschaft in Botswana ist flach - wirklich flach!! Das GPS zeigte niemals ein Höhenunterschied von mehr als 20 Metern auf dem Weg von Gaborone nach Serowe. Die Shoshong Berge waren eine angenehme Abwechslung auf unserer Reise. In Shoshong tankten wir Benzin nach und Queen Samuel kam zu uns, um zu fragen, wie es uns geht und wollte unsere Ansprechpartner in Deutschland erfahren. Ich bin mir nicht so sicher, wie sie wirklich hieß, aber wir hatten eine nette Unterredung. Als wir das Rhino Sanctuary erreichten, organisierte Edmund, dass wir unsere Motorräder in das Camp zu fahren und außerdem noch eine Nacht bleiben durften. Die Safari war erfolgreich, weil wir nicht nur Nashörner, sondern auch Giraffen, Impalas, Gnus und viele verschiedene Vögel sahen. Das Camp ist ein sehr angenehmer Ort. Weit entfernt von Straßen und Geräuschen, bis auf die der wilden Tiere im Park. Am nächsten Tag machten wir uns auf dem Weg nach Nata. Wir befuhren die längste im Bau befindliche Straße, die ich je gesehen habe. Auf einer Länge von geschätzten 80 km von Palapye nach Serule konnte man all die verschiedenen Stadien einer im Bau befindlichen Straße sehen. Übrigens, hatte ich schon erwähnt, dass Botswana flach, wirklich flach ist?!? Es
gibt keine Berg- oder wenigstens so etwas ähnliches wie Hügelketten so weit das Auge reicht - erstaunlich! In Francistown tankten wir lediglich auf, versorgten uns mit Lebensmitteln und nahem einem Snack zu uns, bevor wir weiterfuhren nach Nata. Die Nata Logde ist wirklich ein großes Vergnügen. Für 30 Pula pro Person und Nacht bekommt man richtig saubere sanitäre Einrichtungen, einen Pool und einen schattigen Platz auf dem Campingplatz - wir müssen zugeben, dass wir für zwei Nächte blieben. Aber nicht nur um uns selbst etwas zu gönnen, sondern auch um Zeit zu haben,  unsere Reifen zu wechseln. Wir wollten zur Kubu Insel durch die Salzpfannen fahren und dafür wollten wir die guten Reifen aufziehen und nicht die doch schon etwas abgefahrenen benutzen. Es gibt eine Werkstatt in Nata, die ein Luftdruckgerät hat, was übrigens in Botswana nicht ohne weiteres erhältlich ist. Die Besitzer dort erlaubten uns die Reifen in ihrer Werkstatt zu wechseln und halfen uns auch, wenn es nötig war. Am folgenden Tag waren wir bereit für das Abenteuer zur Kubu Insel. Da momentan Regenzeit ist, waren wir nicht restlos sicher, ob wir es schaffen würden. Aber wir hatten Glück. Die Bedingungen waren in Ordnung und die allerschlimmsten Schlammlöcher konnten wir umfahren. Es ist ein atemberaubender Anblick, wenn man von den flachen,  weißen, weiten Salzpfannen kommt und dann die Insel, bedeckt mit Baobabs (Affenbrotbäume) in allen möglichen Formen und Größen, vor sich sieht. Auf jeden Fall ist die Erfahrung durch die Pfannen zu fahren
ziemlich einzigartig, denke ich. Manchmal, wenn man über die flachen Pfannen schaut, könnte man denken, dass da Wasser am Horizont ist. Aber es ist nur die durch die heiße Sonne von Botswana erhitzte Luft, die einem diesen Eindruck vorgaukelt. Wenn es Euch möglich ist, nach Botswana zu kommen, müsst Ihr unbedingt durch die Salzpfannen fahren - für mich war es atemberaubend. Leider gab es einen großen Nachteil auf der Kubu Insel. Wir mussten 22 Pula pro Person und Motorrad (das macht nach Adam Riese 88 Pula, das sind umgerechnet 17,- Euro) bezahlen, um die Insel besichtigten zu können. Das war nur für's picknicken, Übernachten nicht inbegriffen. Das hätte dann noch mal 27,50 Pula pro Person und Nacht gekostet. Und da ist nichts, noch nicht einmal Wasser, verfügbar. Ich denke, dass das das teuerste Picknick war, das ich je hatte - mit mitgebrachten Broten, nicht zu vergessen. Wir erreichten rechtzeitig die geteerte Straße nach Motopi; an diesem Tag brachten wir 200 km auf rauher off-road Strecke hinter uns. Ich muss gestehen, dass einige der tiefen sandigen Passagen nicht so leicht zu durchfahren waren mit dem ganzen Gepäck und meine Arme fühlten sich ein bisschen wie Pudding an. Wir schafften weitere 80 km, bevor wir unser Zelt an diesem Abend aufschlugen. Ich war wirklich müde, aber die Anstrengung hatte sich wirklich gelohnt! Jetzt sind wir in Maun und wir überlegen, ob ein Mokoro Trip ins Delta unser Budget sprengen wird - wir werden es Euch später wissen lassen!


24.1.2004 - Gaborone, Botswana

Wir verbrachten unsere erste Nacht in Botswana in Garborone. Von Upington aus hatten wir eine tolle Fahrt aus der Wüste in das landwirtschaftlich geprägte Gebiet zwischen Kuruman und Mafikeng. Alles ist grün hier, sieht sehr fruchtbar aus. Es gibt endlose Felder mit Mais und Sonnenblumen. Manche Streckenabschnitte waren wirklich langweilig und wir haben gemerkt, dass die Wüste einem weitaus mehr angestrengt hatte. Der Himmel war bereits eine ganze Zeit lang mit Wolken bedeckt, und kurz vor Kuruman gerieten wir in ein Gewitter. Glücklicherweise war es nicht kalt, dafür war die Sicht durch den Regen stark eingeschränkt. An der Grenze zu Botwana wurden wir von eine Typen, der im Auftrag des südafrikanischen Fremdenverkehrsamtes arbeitete, über unseren Aufenthalt in Südafrika interviewt. Es war fast wie eine Kurzfassung unseres 2-jährigen Aufenthaltes in Südafrika.
Was waren die positiven Dinge? - Dass die Menschen sehr freundlich und hilfsbereit waren. Was hat Sie am meisten beeindruckt? - Die unterschiedliche Landschaft in den verschiedenen Landesteile und die verschiedenen Kulturen. Was war Ihr schlimmstes Erlebnis? - Ein gestohlenes Fahrrad und eine eine geklaute Brieftasche.
Die Einreise nach Botswana ging schnell von Statten, nach etwa 30 Minuten waren alle Formalitäten erledigt und wir setzten unsere Reise in Richtung Kanye fort. Wir hofften auf einige Schotterpisten, da wir bereits seit fast 2 Tagen auf reinem Asphalt verbracht hatten. Aber (leider) sind die Straßen im südlichen Botswana exzellent und wir fanden keinerlei Schotterwege, zumal wir auch keine zu großen Umwege machen wollten. Bereits kurz nach der Grenze war es offensichtlich, dass wir uns in einem anderen Land befanden. Nur ein Teil des Landes wird landwirtschaftlich genutzt, der Rest ist mit Wäldern mit verschiedenen Baumarten überzogen. Baumarten, welche wir noch nie gesehen hatten. Der Stamm ist in einem dunklen rotbraunen Farbton eingefärbt, was einen tollen Kontrast zu den grünen Blättern ergibt. Die Dörfer sind klein und die meisten Menschen leben in reetgedeckten Rundhäusern. Zäune sind soweit es sie gibt aus starken Hölzern bzw. kleinen Baumstämmen gefertigt und sehen nicht so stabil die in Südafrika aus. Kühe und Ziegen sieht man überall entlang der Straßen. Es fühlt sich wunderbar an mal wieder etwas neues zu entdecken. In Kanye trafen wir ein älteres Paar, mit dem wir uns recht nett unterhielten. Richtung Garborone wurde die Straße zunehmend belebter. Garborone selbst wirkt eher modern und im Zentrum der Stadt gibt es einige eindrucksvolle Gebäude zu sehen. Ich hatte zunächst den Eindruck, dass die Menschen hier etwas zurückhaltender sind bzw. verschlossener sind. Spricht man jedoch jemanden an, so wird dies meist aber mit einem warmherzigen Lächeln belohnt. Gestern schlugen wir unsere Zelte auf und hatten einige nette Gespräche mit anderen Leuten auf dem Camping-Platz. Heute wollen wir Garborone etwas näher erkunden, außerdem braucht unsere "XR" einen Ölwechsel. Ich bin wirklich mal gespannt, was es noch alles zu entdecken gibt, wenn wir weiter nach Botswana hineinfahren.


17. - 20.01.2004 - on the Road (Südafrika)

Nun hat sie endlich begonnen unsere "Große Reise",. Nachdem wir unsere Sachen gepackt hatten und die Umzugskartons aufgegeben hatten waren nur noch die Dinge da, welche auf die Motorräder gepackt werden sollten. Am Samstag morgen frühstückten wir im "Java Cafe" in Stellenbosch. Wir waren richtig gerührt, wie viele Freunde vorbeikamen, um sich von uns zu verabschieden. Auch Susanne und Max die österreichischen Freunde von Sven fehlten nicht. Vielen Dank an alle für diese herzliche Geste. Nach einigen ausgiebigen Tassen Kaffee stiegen wir auf unsere Motorräder und machten uns aus dem Staub. Zum Begin unserer Reise führen wir zum "Cape Point", um das Start Foto zu schießen. Viele Leute sprachen uns an wegen unserer Reise, was uns etwas verlegen machte, da wir am ersten Tag natürlich noch nicht sehr viel Aufregendes zu erzählen hatten. Trotzdem wünschten uns viele eine Gute Reise. Die Nacht verbrachten wir bei Laresas und Tonys place und in einem nahe gelegenen China Imbiss hatten wir einige "Benzingespräche" zu führen - schade, dass Sie nicht nicht dafür entschieden mit uns zu fahren, wie wir einige Zeit zuvor noch gedacht hatten. Als es am nächsten Tag Zeit war aufzubrechen konnte ich dann auch einige Tränen nicht zurückhalten - irgendwie war die ganze Aufregung, Angst und andere Gefühle wie weggeblasen. Ich frage mich immer wieder, was den Körper dazu veranlasst. Den ganzen Tag über, während wir eine reizenden Fahrt durch die Wüstengegend "Big Karoo" kämpfte ich ständig damit das Gefühl der Einsamkeit und der Angst was wohl noch alles kommen wird, loszuwerden. Aber schon am nächsten Tag nachdem wir die Nacht in einem sehr schönen "Bed and Breakfast" in Calvinia verbracht hatten gings mir besser und ich freute mich wieder über unsere Reise. Auf dem Weg zum Augrabis National Park hatten wir bereits unsere Erfahrungen mit wilden Tieren gemacht. Eine Oryx-Familie (afrikan. Antilope) rannte in der Prairie neben uns weit ab vom Nationalpark. Als wir diesen erreichten entschieden wir uns zunächst den Tag mit etwas Faulenzen zu beginnen. Es wurde jedoch weitaus mehr als nur ein schöner Campingplatz angeboten. Wir machten eine interessante Wanderung, bei welcher wir einiges dazulernten, welche sogar unser "Prof. Grizmek" Kay noch nicht kannte. Ehrlich gesagt waren uns auch die beiden Pools sehr willkommen mitten im Regierungsbezirk "Northern Cape". Sehr knuddelig war auch ein kleines Haustier das es im Park gab. Ein "Klipspringer" (Art Murmeltier), welches mit der Flasche aufgezogen wurde, sprang auf dem Campingplatz herum. Und wie wenn wir die einzigen Gäste wären adoptierte es uns als "Eltern" - es schlief sogar während der Nacht neben unserem Zelt. Als wir morgens rauskamen wartete es bereits auf uns. Der einzige Nachteil des Zeltplatzes waren die Moskitos. Eine Unzahl davon versuchten an uns zu kommen um Blut zu saugen und ich befürchte, dass dies nicht das letzte mal dass wir mit diesem Problem konfrontiert werden. Über die Straßen konnten wir uns bislang nicht beschweren. Das ist etwas, was man nur in Südafrika erwarten kann. Bis jetzt haben wir etwa 50 % der Strecke auf Asphalt verbracht noch keine wirkliche Herausforderung - einfach zu Genießen.


15.01.2004 - Stellenbosch

Unser letzter Eintrag aus Stellenbosch!
Nachdem wir ein tolles Silvester und Neujahr mit Claudia und David in Kapstadt verbracht haben, bekamen wir doch so langsam aber sicher das Gefuehl, dass nun der Endspurt los geht. Während da noch Publikationen für die Uni fertigzustellen waren, der Arbeitsplatz aufgeräumt werden musste und wir auch anfangen mussten zu packen, wollten wir natürlich auch noch so viel wie möglich Zeit mit unseren Freunden hier verbringen. Ihr könnt Euch vielleicht vorstellen was das heisst - Ja - lange Abende und Nächte in einem unserer bevorzugten Restaurants oder um den "Braai" (zu Deutsch: Grill) bei uns zu Hause oder bei einem unserer Freunde. Aber eine Abschiedsparty durfte natürlich nicht fehlen! Daher haben wir am Montag alle unsere Freunde hier zusammen getrommelt und eine ordentliche Party gefeiert - morgens um vier sind wir dann totmüde aber zufrieden in Bett gefallen.. Vielen Dank an alle die kamen und diesen für uns unvergesslichen Abend mit uns verbracht haben - wir haben es wirklich genossen.
Nun ist es Donnerstag morgen um acht und ich bin dabei den letzten Eintrag fuers Tagebuch unserer Homepage auf dem eigenen Computer zu schreiben. In Kürze wird auch er in einer der Umzugkisten verschwinden, die wir morgen nach Kapstadt bringen von wo sie hoffentlich zurück nach Deutschland verschifft werden.
Wenn Ihr mitgerechnet habt, dann ist Euch nun auch schon klar, dass wir unsere Abreise um einen Tag verschoben haben. Kennt Ihr "Murphy's Law" - es zeigte sich vor zwei Tagen. Als ob nichts anderes zu tun wäre, war Kay damit beschäftigt Software Probleme zu lösen - besser: sich damit herumzuschlagen. Der Palm wollte einfach die Waypoints und Routen, die Kay im QuoVadis programmiert hatte nicht übernehmen - die Kommunikation der beiden Geräte wollte einfach nicht zustande kommen. Da das aber ein ziemlich essentieller Teil unserer Reisevorbereitung ist, konnten wir nicht einfach so drüber weg sehen. Dank der FAQ Seite auf der Homepage von QuoVadis fanden wir dann auch die Lösung für das Problem. Alle Waypoints und Routen sind nun auf dem Palm gespeichert und warten darauf aufs GPS überspielt zu werden, wenn sie dann gebraucht werden.
Für heute steht nun das finale Packen an und heute abend werden wir dann hoffentlich wissen, dass alles auf unseren Mopeds Platz hat und nichts fehlt - nun, das finden wir wahrscheinlich erst auf unserem Weg raus. Aber die Leute sagen, dass es überall in Afrika Läden gibt - was eine Überraschung - und so kann man wahrscheinlich das eine oder andre unterwegs noch besorgen.
Ich muss sagen, dass ich inzwischen wirklich für die Abfahrt "reif" bin. Nach einem guten Jahr des Planens und Vorbereitens bin ich des Organisierens etwas müde. Wir mussten feststellen, dass es doch einige Komplikationen mit sich bringt so eine Reise von einem anderen Land als dem Heimatland zu strarten. Irgendwie ist man überall die Ausnahme und das bringt ettliche Diskussionen und viele e-mails mit sich um das alles abzuklären. Aber ich muss sagen, dass die verantworlichen Personen immer sehr hilfsbereit waren und am Ende doch alles ermöglichten. Vielen Dank dafuer and dieser Stelle!!
Vor unserer Abreise am Samstag planen wir ein letztes Frühstück in unserem "Lieblingskaffee" hier in Stellenbosch zu haben: Java Kaffee. Das Ziel für diesen Tag wird Calvinia sein. Unsere Freunde Laresa und Tony aus Kapstadt wollen uns bis dahin begleiten, um dann am Sonntag morgen "Good Bye" zu sagen, wenn wir uns in Richtung Augrabis Fälle in der Nähe von Upington auf den Weg machen.


11.01.2004 - Stellenbosch

Ihr kennt vielleicht das Gefühl, dass ein Motorrad mit der Zeit sich vom Gebrauchsgegenstand zum Freund wandelt. Das wird uns in den naechsten vier Monaten sicher auch wieder passieren. Und ein Freund braucht natuerlich einen Namen, damit man sich waehrend eintönigen Kilometern mit ihm unterhalten kann und damit man von ihm erzaehlen kann. Wir haben daher unseren Motorraedern schon vor den ersten Abensteuern Namen gegeben und sie ordentlich getauft, mit Sekt zum Anstosssesn und Nele, Myrte und Juergen als Paten.
Wenn wir also demnaechst von "Kongoni" oder "Pongo" reden wisst Ihr wer gemeint ist. Kongoni ist das silberne Wildebeast aus Oesterreich und Pongo der kleine rote und rassige Buschbock aus Japan. Beide Namen sind für übrigens Swaheli.


29.12.2003 - Stellenbosch

Anstatt die Weihnachtszeit zum Kartenschreiben, Geschenkekaufen oder Christbaumschmücken zu nutzen, haben wir die letzten Formalitäten geklärt. Kays gewaschener Reisepass ist ersetzt, die Carnets beantragt, Versicherungen abgeschlossen und eine Spedition für den Umzug ist auch gefunden. Was Visa betrifft haben wir uns entschlossen alle unterwegs zu besorgen und für die Einreise nach Lybien haben wir die ersten Kontakte hergestellt.
Nachdem wir heute mit Heidis Eltern unsere letzten Besucher in Südafrika zum Flughafen gebracht haben, ist es nun Zeit zu packen, uns hier zu verabschieden und endlich loszufahren, worauf alle ungeduldig warten. Die häufigste Frage, die wir bekommen ist daher auch "Wann geht es denn los?" Wenn die Carnets rechtzeitig eintreffen heisst die Antwort "Am 16. Januar"


20.11.2003 - Stellenbosch

Testfahrt: Stellenbosch - Baviaans Kloof - Addo - Montagu - Stellenbosch
(08.11.2003 - 13.11.2003)

Es war inzwischen schon eine Ewigkeit her, seit wir da letzte mal mit unseren Motorrädern unterwegs waren. Aber dieses Wochenende sollte sich das endlich wieder ändern und es gab auch drei gute Gründe dafür: erstens hatten wir noch einen Gutschein für eine Nachtsafari in einem privaten Wildreservat, zweitens wollten wir unsere Motorräder mit allem Gepäck und den neuen Gepäckbrücken auf ihre Tauglichkeit testen und drittens war es uns endlich gelungen ein Wochenende zu finden, an dem auch unsere Freunde Laresa und Tony Zeit hatten wegzufahren.
Wir packten unsere Motorräder am Samstag morgen und kamen auch zu einer akzeptablen Zeit weg. Das Ziel für heute war Laignsburg in der Kleinen Karoo. Wir genossen unsere Fahrt auf Farmwegen bis ins Breede River Tal und von Montagu aus fuhren wir quer durch die Kleine Karoo nach Laignsburg.
Nach einer erholsamen Nacht im Grand Hotel machten wir uns am Sonntag morgen auf den Weg in Richtung Baviaans Kloof. Da Tony sich in dieser Gegend wie in seiner Westentasche auskennt, könnt Ihr sicher sein, dass wir eine Menge Spass auf unseren Mopeds hatten. Wir mussten uns die Wege zwar mit Schildkröten, Schlangen und Buschböcken teilen, aber das empfanden wir nun nicht unbedingt als störend. Am späten Nachmittag erreichten wir dann die Farm wo wir in "den Höhlen" übernachteten. Wirklich eine gute Idee von den Farmersleuten da, aus einer Felshöle auf ihrer Farm am Eingang des "Baviaans Kloof Nature Reserve" eine Übernachtungsmöglichkeit zu machen - total urig und gemütlich. Zusätzlich wurden wir dann auch noch mit traditioneller Farmerskost verwöhnt - echt lecker!!
Am Montag machten wir uns dann auf den Weg durch das Baviaans Kloof Nature Reserve. Das war einfach fantastisch - solltet Ihr jemals das "Eastern Cape" in Südafrika besuchen, müsst Ihr durch den Baviaans Kloof fahren und es ist genau das, was man mit seinem Moped erleben will. Zur absoluten Krönung des Tages haben wir am selben Abend noch die Nachtsafari im "Scotia" Wildreservat mitgemacht. Nach einem so fantastischen Tag, gefüllt mit so vielen neuen und tollen Eindrücken und Erlebnissen, fragt man sich manchmal schon, ob man das wirklich verdient. Diese Nacht haben wir mal wieder standesgemäss in unserem Zelt verbracht - was ich übrigens immer geniesse - und nach einem kleinen Frühstück in Addo haben wir uns auf die Teerstrasse in Richtung Steytlerville begeben. Ich weiss es ist eine schlechte Ausrede, aber wir wollten heute einige Kilometer machen und diese Strasse war wirklich die direkteste und kürzeste Verbindung. Aber von Steytlerville aus haben wir einen interessanten Farmweg gefunden, der uns auf der Rückseite des Bergrückens zum Baviaans Kloof entlangführte. Auch dieses mal mussten wir uns den einspurigen Track mit Schildkröten teilen, aber die haben sich zumindest nicht beschwert, wenn wir sie vorsichtig vom Weg getragen haben. In Prins Albert angekommen haben wir eine nettes kleines Häuschen für uns vier gefunden und die Dusche hat nach dem langen, staubigen und heissen Tag wirklich gut getan. Das Steak zum Abendessen hat uns dann noch die Energie für den nächsten Tag zurück gegeben.
Da uns wirklich noch nicht wieder nach Arbeit war, haben wir kurzerhand beschlossen, dass wir unseren Trip um einen Tag verlängern und unser nächster Stop in Montagu sein soll. Wir machten uns also wieder auf den Weg durch die Kleine Karoo. Ein wunderschöner Track - schmal und mit viele Backdurchquerungen, die gerade genug Wasser für eine erfrischende Dusche führten - sollte uns mehr oder weniger direkt nach Montagu bringen. Leider mussten wir feststellen, dass heutzutage auf ca. dem halben Weg ein privates Wildreservat ist. Der Elektrozaun und das Schild "Vorsicht vor gefährlichen Tieren" liessen uns schliesslich einen weiten Umweg über Barydale und die R62 nehmen - aber es war trotzdem schön.
Als wir am nächsten Tag wieder zu Hause in Stellenbosch waren kamen wir zu folgendem Resümee: wir haben dieses lange Wochenende wirklich genossen, wir sollten sowas definitv öfters tun (zum Glück wird das ja bald wahr) und dass unsere Gepäckbrücken und wie wir das Gepäck verladen wollen gut funktionieren. Alles in Allem war es ein sehr erfolgreiches und vor allem schönes Wochenende.


20.10.2003 - Stellenbosch

So langsam werden wir bereit für die Testfahrt bzw. den grossen Trip, wie wir unsere Heimfahrt haeufig nennen. Wyn-Tech ein lokaler Edelstahlverarbeiter, der eigentlich Tanks und Rohre für die Weinindustrie fertigt, hat uns einen schönen GPS-Halter für die KTM gefertigt und einen Träger für zwei 10l Kanister an die XR gebaut. Zusaetzlich gabs für die KTM noch ein paar schicke Neopren Socken um bei den Simmeringen der Gabel Sandallergien und Triefnase zu vermeiden. Und fürs grosse Gepäck sind nun auch die Touratech Alukoffer montiert. Die Passform der Träger war nicht die Beste aber das liegt wohl in der Tolleranz. Eine kleine Zeitbombe war, dass der Endtopf am Träger anliegt uns schon nach wenigen Kilometern deutliche Angriffsspuren zeigt. Ein paar Unterlegscheiben extra wirken da Wunder.


11.10.2003 - Stellenbosch

Heute war ein Tag zum Feiern - die KTM ist endlich angekommen! Nach unendlichen Verzögerungen hat endlich die Spedition am Tor geklingelt um ein vielversprechenden Karton mit der Aufschrift "KTM Sportmotorcycles" abzuladen. Es ist wie Weihnachten ein neues Motorrad von der Palette zu bekommen und es ist total aufregend die Spanngurte zu lösen, den Lenker zu montieren, Ihr mit ein paar Litern Sprit den nötigen Saft zu geben und Ihr dann standesgemäss mit dem linken Bein Leben einzuhauchen (bzw. einzutreten) um sie gleich darauf in die Freiheit auszuführen. Unsere Erste Fahrt ging dann auch auf einen der schönsten Pässe am Kap, dem Franshoek Pass. Der Blick von dort in die Ferne macht Lust auf kommende Abendteuer!
Eine kleine Anmerkung zu KTM Importeur Südafrika: Sch... Service und horrende Preise für Teile (es ist billiger Ersatzteile per TNT aus Deutschland kommen zu lassen). Man wünscht sich zurück zu seinem heimatlichen KTM Händler!


03.10.2003 - Stellenbosch

Heute ist ein trauriger Tag. Wir haben uns von der treuen BMW getrennt uns sie verkauft. Aber die Trauer wird hoffentlich nur kurz anhalten, da die KTM schon bestellt ist und in Kürze eintreffen sollte. Vermutlich aus Einsamkeit hat die XR vorübergehend den Dienst verweigert. Aber ne gründliche Vergaser Reinigung hat sie zum Laufen überreden können.
Demnächst wollen wir die ersten Visas beantragen. Was davor keine gute Idee war, ist den (Kays) Pass in der Waschmaschine zu waschen! Mal schauen was die Deutsche Botschaft dazu sagt.


07.09.2003 - Sinsheim (D)

Kay Heute ist der grosse Tag für die Homepage! Gemeinsam mit meinem Freund Wolfgang habe ich die erste und leider noch nicht fertige Version der Homepage aufs Netz geladen. Die Englische Version steht noch aus und das Gästebuch funktioniert leider noch nicht. Aber ein Anfang ist gemacht und wir bleiben dran.


06.09.2003 - Schwarzach (D)

Kay: Heute bin ich für eine dreiwöchige Stippvisite in Deutschland angekommen. Das gibt mir Gelegenheit Familie und Freunden über unsere Pläne zu unterrichten und damit sowohl Neugier zu stillen als auch Sorgen zu reduzieren. Ausserdem werde ich die Zeit nutzen letzte Besorgungen zu machen und versuchen noch den einen oder anderen Partner zu unserer Unterstützung zu überzeugen. Zu besorgen habe ich zum Beispiel gute und kleine Schlafsäcke, Funktionswäsche, Regenzeug, ein Koffersystem für die KTM und Speichermedien für Digitalkamera und Palmtop. All das ist in Deutschland einfacher zu finden und billiger als in Südafrika.


13.08.2003 - Stellenbosch

Heidi und Kay: Soeben haben wir diese Seite angefangen. Es ist 22:07, das Feuer prasselt im Kamin unseres Südafrikanischen Flats, während es draussen kühl und regnerisch ist. Dies und die Flasche Wein vor uns schafft die ideale Atmosphäre für die Planung unseres grossen Abenteuers.
Leider gibt es noch nichts Aufregendes zu berichten, aber auf dieser Seite werden wir Euch in Zukunft über die Ereignisse unserer Reise informieren
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